
Friedensspeicher in Osnabrück
Foto: osnabrueck-net
Die Predigt löste bei zahlreichen Mitgliedern bestürzte Reaktionen aus. Was ist geschehen?
Dass oft genug nur das gelesen, gehört und verstanden wird, was man lesen, hören oder verstehen will, ist ein altes Problem. Wissenschaftler und Gerichte können ein Lied davon singen. Allerdings wird bisweilen das Missverständnis auch vom Informanten durch unklare Äußerungen nicht nur gefördert, sondern geradezu provoziert. Die aktuelle Situation in der NAK scheint ein klassisches Fallbeispiel für diese Möglichkeit zu sein. Denn wer die Stellungnahmen von Uster einer genauen Betrachtung unterzieht, wird keine Abkehr der Kirchenleitung vom bisherigen Anspruch auf alleinige Heilsvermittlung erkennen können. Unmissverständlich heißt es in der Stellungnahme,
Das Verständnis von Taufe und Versiegelung in der Neuapostolischen Kirche, dass nur „die Heilige Taufe mit Wasser und die Heilige Versiegelung gemeinsam die Wiedergeburt aus Wasser und Geist bilden“ und der Mensch nur dadurch ein Gotteskind wird (2.2). Die Notwendigkeit beider Sakramente wird in einer Fußnote ausdrücklich hervorgehoben. Dass die Heilige Versiegelung nur von einem neuapostolischen Apostel vollzogen werden kann (2.1), bedarf wohl keiner besonderen Betonung. Zwar wird die Taufe der in rite taufenden christlichen Kirchen anerkannt (1.6), doch gehören die so getauften Christen nicht der Kirche Christi im neuapostolischen Verständnis an
(1.1 Anm. 6), sind also nicht Christen im Vollsinn.
Ebenso ist in der Stellungnahme, Das Verständnis von Heil, Exklusivität, Heilsnotwendigkeit des Apostelamtes und Nachfolge in der Neuapostolischen Kirche, klargestellt, dass „die Vermittlung von Heil nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift im gegenwärtigen Abschnitt des göttlichen Erlösungsplans durch das Apostelamt geschieht“ (1.5). Das Apostelamt ist damit fraglos heilsnotwendig (3.1.2.). Nun soll hier nicht untersucht werden, ob die weitgehend ohne Belege aus dem NT aufgestellten Behauptungen theologisch sinnvoll oder überzeugend sind. Es ist lediglich festzustellen, dass die von Stammapostel Leber am vergangenen Sonntag gehaltene Predigt keineswegs einen „Rückschritt“ in einem Öffnungsprozess darstellt, sondern dieser Öffnungsprozess auf dogmatischer Ebene nie begonnen hat.
Woher kommt dann die Enttäuschung und Entrüstung der ökumenisch eingestellten Geschwister? Beruhte die Hoffnung auf eine Öffnung der NAK auf reiner Autosuggestion der Ökumeniker? Wohl kaum. Vielmehr ist das Verhalten des Stammapostels bzw. der Kirchenleitung selbst die Ursache der Hoffnung auf einen ökumenischen Aufbruch der NAK. So beschäftigt sich die Bezirksapostelversammlung seit etwa zehn Jahren von Zeit zu Zeit mit ökumenischen Fragestellungen. Die Gebietskirche Süddeutschland führt unter der Leitung von Apostel Volker Kühnle Gespräche mit der ACK (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, die zentrale Ökumene- Organisation in Deutschland) und im Interview mit dem ev. Magazin idea-Spektrum bekräftigte der Stammapostel selbst den Wunsch, Mitglied der ACK zu werden (idea Spektrum 25/2006, S.17). Eine klare Absage an ökumenische Bestrebungen blieb demnach bisher nicht nur aus, vielmehr suggerierten die Aussagen und Bemühungen der Kirchenleitung einen ökumenischen Aufbruch, der freilich in einem seltsamen Widerspruch zu den Stellungnahmen von Uster steht. Die Irritationen des vergangenen Sonntags sind folglich nichts anderes, als das Ergebnis einer verfehlten Informationspolitik. Der ökumenische Aufbruch der NAK erweist sich weniger als Autosuggestion der ökumenisch eingestellten Geschwister, sondern als eine Suggestion der Kirchenleitung. Immerhin scheint Dr. Fincke, Weltanschauungsbeauftragter der EZW, die bisherige Entwicklung der NAK positiv einzuschätzen, der in seiner neuen Kompakt-Info [->] über die NAK die aktuellen Entwicklungen als „verheißungsvoll“ bezeichnet hatte.
Folgt man den obigen Ausführungen, ist mit dem letzten Sonntag die unveränderte Position der NAK unmissverständlich für jedermann erkennbar herausgestellt worden. Kann damit zur Tagesordnung übergegangen werden? Diese Frage wird man entschieden verneinen müssen. Zunächst ist festzustellen, dass die Kirchenleitung in der Pflicht steht, ihrem bisherigen Lavieren auch nach außen hin ein Ende zu bereiten und nicht nur in Worten, sondern auch in Taten eindeutig zu sein. Konkret hieße das, wenn die bisherige dogmatische Grundlage unverändert bleiben soll, die Geschwister, wie die ACK, auf einen sehr langen Weg einzustimmen. Das sollte auch der Kirchenleitung klar sein.
Eine negative Folge dieses Hoffnung erweckenden changierenden Verhaltens und der am vergangenen Sonntag folgenden Enttäuschung ist der Vertrauensverlust der Kirchenleitung bei einer bemerkenswerten Menge an Kirchenmitgliedern, darunter nicht nur der Ökumeniker. Dies ist insofern kein Wunder, als die Predigt des Stammapostels eher einem nackten Vortrag dogmatischer Grundsätze, für die das Textwort lediglich den Aufhänger bot, als einer seelsorgerischen Predigt glich.
Das Vorgehen hat in den Gemeinden viel Porzellan zerschlagen und lässt sich mit der Forderung des Stammapostels an alle Amtsträger, um jeden Einzelnen zu kämpfen, schwerlich vereinbaren. Es liegt nun in der Verantwortung des Stammapostels, verloren gegangenes Vertrauen wieder herzustellen. Hier ist seine seelsorgerische Kompetenz gefordert. Der Stammapostel hat in seiner Funktion als geistlicher Oberhirte der NAK seinen Anvertrauten als Brückenbauer zu dienen, das ist ihm hier offenbar nicht gelungen.
Die Analyse der Situation hat gezeigt, dass sich die Lage der ökumenisch Bestrebten innerhalb der NAK zwar nicht unbedingt verbessert, allerdings durch Osnabrück auch nicht verschlechtert hat. Immerhin sind die Fronten nun klar. Kurzschlussreaktionen wie Amtsniederlegungen oder Austritte – und sei es auch nur um ‚Zeichen zu setzen’ – erscheinen vor diesem Hintergrund als unangebracht und wirkungslos.
Entscheidend ist nicht zu gehen, sondern zu bleiben!
Dabei ist zu bemerken, dass die Kirchenleitung nicht unbedingt ein monolithischer Block sein muss und sie zudem offenbar erkennt, dass manche ihrer zentralen Aussagen nur durch den freien Umgang mit dem NT zu ‚belegen’ sind. Als Beispiel sei das in Uster inaugurierte „Näheverhältnis zu Gott“ genannt, in das der Täufling durch die Taufe geführt werde. Als biblischer ‚Beleg’ wird nur genannt: Klingt an in Galater 3,27.“ (1.1 Anm. 4) Der dort zu findende Text (Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen) trifft jedoch eine gegenteilige Aussage, wie das verwendete Bild zeigt [i]. Das scheint der Kirchenleitung bewusst gewesen zu sein.
Dass bei der Bibelauslegung auch auf Leitungsebene durchaus Unsicherheit herrscht, zeigt wiederum der Osnabrücker Gottesdienst. Zu seiner Auslegung von Joh 20,21 Wie mein Vater mich gesandt hat, so sende ich euch, bemerkte der Stammapostel: „Ich will ganz klar sagen, das ist eine Stelle im Johannesevangelium, wo nicht ausdrücklich von den Aposteln die Rede ist, sondern von den Jüngern Jesu, denen das gesagt wurde. Aber der ganze Zusammenhang macht deutlich, der Herr Jesus hat ja seine Apostel besonders hervorgehoben und ihnen Vollmachten gegeben, dass im Kern die Apostel gemeint sind.“ Eine eher hilflose Argumentation, die kaum überzeugt, beschränkt doch das JohEv den Terminus „Jüngern“ nicht nur auf die Zwölf.
Ein weiteres Problemfeld wären die Predigten. Ist es doch kaum überzeugend, wenn ein Apostel mehr von seinem Amt als von Jesus Christus predigt.
Das ist eine unbiblische Haltung. So wäre Rebekka dem Boten Abrahams wohl kaum gefolgt, wenn er nur von sich erzählt hätte und nicht von Isaak, dem Bräutigam. Und eine Kirche, die nichts von Jesus, sondern nur von seinen Boten hören will, ist wie eine Braut, die einen Liebesbrief ihres Bräutigams erhält und dann fortwährend vom Postboten schwärmt.
Derselbe Glaubwürdigkeitsverlust droht dem neuapostolischen Apostolat, wenn es sich auch zukünftig selbst in den Mittelpunkt seiner Predigten stellt. Dies provoziert bei den Zuhörern entweder den Eindruck der Selbstverliebtheit der Apostel in den eigenen Auftrag oder ihre Angst vor den eingeforderten Veränderungen. Beides ist von Übel und entspricht genau so wenig dem Evangelium wie der Aufgabe der Kirche, die vielmehr die Gläubigen ihrem Herrn Jesus Christus näher bringen soll. Dies erreicht sie jedoch nicht durch das permanente Zitieren ihres Dogmas. Als ihres Auftrages würdig erwiese sich die Kirchenleitung und die Apostelschar dadurch, dass sie in geisterfüllten Predigten ihren Herrn in den Mittelpunkt stellte und das Evangelium Jesu Christi wie die brennende Naherwartung in ihrem persönlichen Leben für alle Welt sichtbar machte.
Die oben dargestellte Unsicherheit in der Argumentationskette der Lehraussagen zeigt, wie notwendig gerade in Lehrfragen eine breitere Auseinandersetzung wäre. Wer sollte die führen, wenn nicht die Ökumeniker? Es ist nicht nur die Aufgabe der Ökumeniker, hartnäckig unbequeme Fragen zu stellen und mehr Geist in seelsorgerlichen Predigten einzufordern. Gleichfalls richtet sich an die Ökumeniker die Forderung, das Stehen zu behalten, ein Leben nach Maßgabe des Evangeliums Jesu Christi zu führen und ein entsprechendes Vertrauen auf den Heiligen Geist zu setzen, der schließlich, um mit Walter Kardinal Kasper zu sprechen, das Werk der Ökumene [vgl. -> ] vollbringt.
Denn auch für die Entwicklung der Ökumene gelten die Worte von
Karl Rahner SJ:
Wir haben keine Wahl. Gott ist mit uns!

Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt
NAK-Gesangbuch Lied:
1.
Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt,
ob Stürme auch drohen von fern,
mein Herze im freudigen Glauben doch singt:
Mir ist wohl, mir ist wohl in dem Herrn.
Mir ist wohl in dem Herrn,
mir ist wohl, mir ist wohl in dem Herrn.
2.
De last mijner zonden draagt Jezus, het Lam.
Van harte vergeeft Hij ze weer.
Hoe menigmaal Hij 's vijands rechten ontnam!
o mijn ziele, prijs daarvoor Uw Heer!
't Is mij goed in de Heer.
't Is mij goed, 't is mij goed in de Heer!
3.
Tho' Satan should tempt me, tho' trials should come,
this knowledge points me to the goal:
My Jesus for me gave His life on the cross
and hath shed His own blood for my soul.
It is well, it is well with my soul.
It is well with my soul,
it is well, it is well with my soul.
4.
Ma vie est en Christ ! Son Esprit me conduit.
Je goûte au céleste bonheur.
Oui, l'âme affranchie, à jamais, je bénis
le saint nom de mon libérateur.
Qu'il fait bon, ô Seigneur !
Qu'il fait bon dans ton sein, ô Seigneur !
Links zu den Themen:
- Der Friedensspeicher
- Der Westfälische Friede
[...] Er bedeutet ein Ende des lang andauernden Konflikts zwischen den katholischen und den protestantischen Kräften. Er schränkte die kaiserliche Macht zugunsten der Reichsstände ein und schrieb die Zersplitterung des deutschen Reiches in praktisch souveräne Einzelstaaten fest wodurch das Reich als Ganzes bis zu seinem Ende 1806 ein Machtvakuum blieb [...]
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