Apostel Hans-Peter Schneider/ Neuapostolische Kirche Süddeutschland
„Einerseits sollen wir Zeugen sein für den Herrn in der Gegenwart (ihn und sein vergangenes und gegenwärtiges Wirken bezeugen). Aber wir sollen auch später einmal Zeugen sein können, wenn nach der Wiederkunft Jesu sich das Christentum mit allerlei Ausreden entschuldigen will. Dann sollen wir bezeugen können, dass es trotz aller subtilen Verführungskünste der Geister möglich war, Glauben zu halten.“
Man muss es zweimal lesen, um es zu verstehen: Nach der Wiederkunft Christi muss sich das Christentum – gemeint sind die anderen christlichen Konfessionen – mit allerlei Ausreden bei Gott entschuldigen (!), weil sie den Glauben an die Wiederkunft Christi zur Heimholung seiner Brautgemeinde (ganz überwiegend bestehend aus versiegelten und treugläubigen neuapostolischen Christen samt einigen anderen Christen, denen Gott gnädig war) nicht wach gehalten habe!
So überheblich haben wir es schon lange nicht mehr gehört:
Nicht nur das wieder allen anderen Christen der direkte Weg zum Heil verschlossen wird, nein, Schneider maßt sich auch noch eine Art Kronzeugenregelung gegen seine Mitchristen an.
Da haben wir sie also wieder: Die exklusive Endzeitkirche.
Eine sonderliche Gemeinschaft.
Und Schneider bestätigt diesen Eindruck noch einmal:
„Natürlich gibt die Bibel manche Hinweise, aber wir brauchen effektiv immer wieder ganz aktuell Erwecktes, nämlich, was der Herr uns sagen will, wie ER die heutigen Zeitverhältnisse sieht und was ER uns zeigen will.“
Also alles wie immer in den Sektenzeiten der NAK:
In der neuapostolischen Kirche spricht Gott, in erster Linie und eigentlich nur durch die Apostel, in allen anderen Kirchen wird bestenfalls über oder mit Gott gesprochen.
Die anderen Kirchen als defizitäre Gemeinschaften, denen die wahren Apostel fehlen.
Und bezogen auf die Stellung der Leiter in den Gemeinden meint Schneider frei nach Apg. 26,15.16:
„Paulus bezeugte vor dem König und Statthalter, wie er bekehrt wurde und zum Glauben an Jesus Christus gekommen ist. Vorsteher sind Statthalter des Apostelamtes vor Ort in Christi Gemeinde. Ein hoher Anspruch und eine verantwortungsvolle Aufgabe!“
Also jeder Vorsteher nicht etwa ein Diener Christi in seiner Gemeinde, nein, der Statthalter seines Apostels. Und Apostel Schneider wie damals Apostel Paulus der Apostel des Herrn!
Ein wahrlich hoher Anspruch. Deutlicher kann sich die Hybris der NAK-Apostel eigentlich nicht entlarven.
Sicher, so kann man einwenden, Schneider spricht nicht für alle NAK-Apostel, aber da er sich bei seinen Aussagen auf den neuen Katechismus der NAK beruft, in dem von der Wiederbesetzung – nicht wie bisher von der Wiederaufrichtung - eines (die Kirche leitenden) Apostelamtes die Rede ist, das folglich über viele Jahrhunderte lang vorhanden, aber nicht besetzt war, kann man seinen Aussagen eine gewisse Verbindlichkeit für die Zukunft unterstellen.
Schneiders im anderen Rahmen getroffene Feststellung, dass die sogenannte „Botschaft“ tatsächlich eine „göttliche Offenbarung“ gewesen sei und dass auch neuere kirchengeschichtliche Erkenntnisse an seinem Glauben daran nichts ändern könnten, sowie dass heutigen Generationen von Gläubigen hierüber kein Urteil zustehe, runden das zweifelhafte öffentliche Bild dieser Sondergemeinschaft noch ab.
Wenn diese Aussagen so im öffentlichen Raum stehen bleiben und nicht in der nächsten Zeit vom süddeutschen Gebietspräsidenten Ehrich und/oder vom internationalen Leiter der NAK Leber zurück genommen werden, kann man die Fortsetzung der Sondierungsgespräche mit anderen christlichen Kirchen nur noch aussetzen. Jedenfalls solange bis die Frage beantwortet sind, was die NAK mit ihrer kirchen-trennenden Lehre in einer ökumenischen Organisation wie der ACK will und vor allem, was die anderen christlichen Konfessionen darin an christlicher Gemeinsamkeit sehen.
Quellen der Zitate:
- NAK-interner Predigtbericht aus dem Gottesdienst für Vorsteher von Apostel Schneider am Sonntag, 15.01.2012 in Künzelsau-Gaisbach
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