„Leitwährung des Glaubens ist die Liebe“

Prof. Max-Eugen Kemper stellte Bilder über Geld in der Bibel vor

Image
Foto: Martin Dabrowski via pixelio.de

Fulda (bpf). „Die Weitherzigkeit eines Christen zeigt sich im Schenken, denn die Leitwährung des Glaubens ist die Liebe.“ Dieses Fazit zog Prof. Dr. Max-Eugen Kemper (Fulda/Rom) in seinem Vortrag „Biblische Geldgeschäfte in der Kunst“, in dem er zahlreiche Kunstwerke aus dem 14. bis 17. Jahrhundert zum Abschluss des dem Thema „Gott und Geld“ gewidmeten Kontaktstudiums der Theologischen Fakultät Fulda interpretierte. Der Vortrag im überfüllten Auditorium maximum war zugleich die „Lectio ultima“ Kempers, der seit 2003 eine Honorarprofessur für Didaktik der christlichen Kunst in Fulda innehatte. Mit dieser Abschluss-vorlesung endet seine Lehrverpflichtung an der Fakultät. Prof. Kemper wird zwar seine Wohnung in Fulda aufgeben, aber auch in Zukunft kunsthistorische Veranstaltungen anbieten, wie er am Ende des Vortrags betont.


Foto: Prof. Dr. Max-Eugen Kemper (Fulda/Rom)

Der langjährige Geistliche Botschaftsrat an der Deutschen Botschaft beim Vatikan, der Domherr von St. Peter in Rom ist und durch zahlreiche Veröffentlichungen zur christlichen Kunstgeschichte bekannt wurde, zeigte anhand der Gemälde den Spannungsbogen zwischen christlicher Ethik und wirtschaftlichem Handeln auf. Geld dürfe sehr wohl dazu dienen, sich selbst etwas zu gönnen, aber verwerflich sei ein Geiz, der die Hungernden verachte. „Es kommt bei der Nutzung des Geldes auf die Solidarität mit den Armen an“, so Prof. Kemper. Das Geld, dem auch heute viele „göttliche Eigenschaften“ zusprächen, sei ursprünglich an sakralen Orten entstanden. Die Verehrung des einen Gottes lasse sich aber nicht mit der Vergötterung des Geldes vereinbaren.

Viele Gemälde aus der Renaissance und dem Barock thematisierten die Tugenden und Laster, die im Verhältnis des Menschen zum Geld eine Rolle spielen. So betonte Fra Angelico im 15. Jahrhundert in seiner Darstellung des hl. Laurentius in der Kapelle Papst Nikolaus’ V. das diakonale Handeln der Kirche, indem er den Heiligen bei der Verteilung
von Münzen an die Armen zeigt. Eine Miniaturmalerei aus Frankreich, die den Herzog Jean von Berry als reichen Mann im Gebet vor Christus darstellt, deutete Prof. Kemper als einen zeitgenössischen Spendenaufruf. Eindrucksvoll verwiesen der „Tod des Geizhalses“ von Hieronymus Bosch und der Totentanzauschnitt „Der reiche Mann“ auf die Nichtigkeit irdischer Reichtümer. „Der Habgierige versäumt das wahre Menschsein“, unterstrich Kemper. Dürer und Rembrandt beschäftigten sich mit der Vertreibung der Händler und Wechsler aus dem Tempel durch Jesus, Strozzi und Tizian thematisierten das Gleichnis vom Zinsgroschen („Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“). Solche Bilder und ihre Ausdruckskraft bewiesen laut Kemper den „Mehrwert des Bildes gegenüber dem Wort“.

Bischof Heinz Josef Algermissen sprach Max-Eugen Kemper, mit dem er seit Paderborner Tagen befreundet ist, seinen Dank für die „Öffnung der Welt der Bilder“ in den vergangenen Jahren aus. Die Erläuterung des Bildprogramms der Sixtinischen Kapelle im Vatikan durch Kemper bei einem Rombesuch sei ihm als besonders eindrucksvoll in Erinnerung geblieben. Der Rektor der Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Christoph Gregor Müller, dankte Prof. Kemper für seine  Präsenz an der Fakultät, durch die er vielen Menschen „Hoffnungsbilder des Glaubens“ erschlossen habe. Prof. Kemper begleitet viele deutsche Pilgergruppen in Rom und vermittelt ihnen die einzigartige Kunst der Stadt der Päpste. In Fulda hat er einen großen Kreis von Interessierten, die seine Veranstaltungen und Reisen regelmäßig besuchen und dadurch auch „Stärkung im Glauben“ erfahren, wie Dieter Helmke stellvertretend für viele betonte. Der Abschlussvortrag Kempers wurde musikalisch umrahmt von Thomas Nüdling am Klavier.

Quelle: osthessen-news.de, pressemitteilung