Die Hauptstelle der Bibliothek ist die "Family History Library" in Salt Lake City. Dort sind nahezu alle Filme permanent verfügbar. Außerdem stehen zahlreiche Nachschlagewerke, Bücher und genealogische Zeitschriften zur Benutzung bereit. Da nach mormonischer Überzeugung die Familienbindungen über den Tod hinausgehen, gehört es zu den religiösen Pflichten des Gläubigen, seine Vorfahren aufzuspüren, damit ihnen in Stellvertretung nachträglich die heilsnotwendige Taufe gespendet werden kann. Foto: wikimedia
Die Genealogische Gesellschaft von Utah wurde am 13.11.1894 mit dem Ziel gegründet, den Mitgliedern der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ("Mormonen") beim Zusammentragen familiengeschichtlicher Angaben zu helfen, hauptsächlich um diesen die in ihrem Glauben übliche stellvertretende Taufe und andere Zeremonien für verstorbene nichtmormonische Vorfahren zu ermöglichen. Als gemeinnützige Organisation stellt die Genealogische Gesellschaft ihre Einrichtungen und Materialien jedoch allen Familienforschern – ungeachtet ihrer Konfession – zur Verfügung. Der Hauptsitz der Organisation befindet sich in Salt Lake City.
Die HLT
Die „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ (HLT) ist der wichtigste und einflussreichste Zweig einer Familie von Religionsgemeinschaften, die auf den Amerikaner Joseph Smith (1805-1844) zurückgehen. Smith will auf geheimnisvollen Wegen in den Besitz von Texten gelangt sein, die er 1830 erstmals unter dem Titel „Das Buch Mormon. Ein weiterer Zeuge für Jesus Christus“ (= The book of Mormon – Another Testament of Jesus Christ) herausgegeben hat. Ab diesem Zeitpunkt sammelte Smith seine – bald zahlreichen – Anhänger um sich. Mit dem wachsenden Erfolg begannen sich jedoch auch erste Konflikte abzuzeichnen: Sollte in Glaubens- und Lebensfragen allein das Buch Mormon maßgeblich sein oder würden sog. neue Offenbarungen die Lehre fortlaufend ergänzen? Dieser Grundkonflikt führte dazu, dass sich im Laufe der Zeit immer wieder Gruppen von der ursprünglichen Bewegung abgespalten haben. Heute gibt es etwa 70 Gemeinschaften, die zur Familie der Mormonen (genauer: Mormonismus) gehören. Im deutschen Sprachraum sind neben den HLT davon nennenswert die „Gemeinschaft Christi“ (besser bekannt unter dem alten Namen „Reorganisierte Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“) und die „Kirche Christi mit der Elias-Botschaft“.
Die bedeutendste Gemeinschaft aus diesem Spektrum ist jedoch die „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“, die umgangssprachlich meist mit dem irreführenden und verkürzten Begriff „Mormonen“ bezeichnet wird. Das organisatorische und spirituelle Zentrum der Gemeinschaft befindet sich seit 1847 in Salt Lake City im (späteren) US-Bundesstaat Utah. In das Gebiet von Salt Lake City hatte Brigham Young, ein enger Vertrauter von Smith, einen großen Teil der Smith-Anhänger 1847 in einem spektakulären Marsch geführt. Hier etablierte sich die Gemeinschaft und Young wurde für viele Jahre ihr Präsident und geistiger Führer. Heute gelten die HLT als die am schnellsten wachsende Religionsgemeinschaft in den USA. Auch weltweit hat ihre Zahl im 20. Jahrhundert enorm zugenommen. Inzwischen gibt es „Das Buch Mormon“ in mehr als 100 Sprachen. Zu den HLT gehören etwa 12,5 Millionen Menschen. In Deutschland leben etwa 36.000 Mitglieder und es gibt ca. 700 Missionare, die ständig unterwegs sind, um hierzulande die Menschen für den Glauben der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zu werben. Die Missionserfolge in den deutschsprachigen Ländern sind allerdings bescheiden. Weltweit unterhalten die HLT derzeit 122 Tempel. Noch Ende der 1990er Jahre waren es lediglich 53; allein in dem symbolträchtigen Jahr 2000 konnten weltweit 34 Tempel geweiht werden, so viele wie noch nie in einem Jahr.
Kern des Glaubens der HLT ist die Vorstellung, dass der Mensch die Möglichkeit zu einer gewaltigen Entwicklung verliehen bekommen hat und selbst wie Gott werden kann nachdem er sein Erdendasein durchlaufen hat. Da für die Glaubenswelt der Mormonen viele alttestamentliche Bezüge eine Rolle spielen, haben bestimmte Rituale, mit denen man z.T. an die Praxis im salomonischen Tempel anzuknüpfen glaubt, große Bedeutung. Dazu gehört zum Beispiel ein geheimnisvolles Einführungs- bzw. Initiationsritual (das sog. „Endowment“), die „Siegelungen“ für die Ewigkeit (z.B. von Eheleuten, Kindern an ihre Eltern u.a.) und eine spezielle Taufe. Der Zugang zum Tempel ist Außenstehenden verwehrt.
Da nach mormonischer Überzeugung die Familienbindungen über den Tod hinausgehen, gehört es zu den religiösen Pflichten des Gläubigen, seine Vorfahren aufzuspüren, damit ihnen in Stellvertretung nachträglich die heilsnotwendige Taufe gespendet werden kann. Mit dieser stellvertretenden Taufe und auch mit nachträglichen Siegelungen haben die Toten Teil am allein rettenden mormonischen Glauben und an der Heilsgemeinde und bekommen den Weg zur höchsten Stufe der Seeligkeit geebnet. Dies ist der Grund für die berühmte Ahnenforschung der HLT, die sie mit außerordentlichem Aufwand betreiben. Die HLT haben ein exklusives Heilsverständnis. An ökumenischen Kontakten besteht kein Interesse. Ihre Lehre ist – trotz vielfältiger Bezugnahmen auf Jesus Christus – mit biblisch-christlicher Theologie nicht vereinbar. Aus Sicht der ökumenischen Kirchen sind die HLT keine christliche Kirche, auch keine Sekte, die sich von einer traditionellen Kirche abgespalten hat, sondern eine synkretistische Neureligion.
Dr. Andreas Fincke, September 2006
Quelle: EZW
Lese- TIPP : MORMONISMUS
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