
Pfarrer Thomas Gandow während des Entpflichtungsgottesdienstes in Berlin/ CiD
"Der Bürger muss grundsätzlich kritisch sein, also prüfen und unterscheiden. Die Welt ist kein Paradies, sondern ein Dschungel. Da gilt wie beim Pilze-sammeln: Augen auf, nicht träumen, sondern hinschauen. Nicht alles, was schön aussieht, gehört ins Körbchen."
In letzter Zeit hat sich Gandow vor allem mit der nicht-religiösen Scientology-Organisation, aber auch mit der christlichen Sekte "Neuapostolische Kirche" befasst. Für sein Engagement im Dialog mit den Orthodoxen Kirchen wurde er vom theologischen Institut Hl. Methodius und Kyrill an der weißrussischen Staatsuniversität Minsk mit dem Dr. honoris causa ausgezeichnet.
Er arbeitete bundesweit in verschiedensten Gremien der Evangelischen Kirche in Deutschland und wirkte als Autor unter anderem dreißig Jahre an der Erstellung des Handbuches "Religiöse Gemeinschaften und Weltanschauungen" mit.
Anlässlich des Entpflichtungsgottesdienstes predigte Thomas Gandow am 28. August 2011 in der Kirche zur Heimat, Berlin-Zehlendorf zu Johannes 4.

Pröpstin Friederike von Kirchbach mit Thomas Gandow, die die Entpflichtung und
Verabschiedung im Namen der Landeskirche vornahm / CiD
Zum Nachlesen: (Unvollständige) Predigtnachschrift auf Grund der Predigtnotizen
Gebet:
Herr, tue meine Lippen auf, dass mein Mund deinen Ruhm verkündige.
Bei dir ist die Quelle des Lebens und in deinem Lichte sehen wir das Licht.
Gnade sei mit euch und Friede von dem der da ist und er da war und der da kommt.
Gemeinde: Amen!
Liebe Gemeinde,
war's das?
War das schon alles?
Soll das etwa alles gewesen sein?
Der Vater meines Studienfreundes hatte uns gesagt, worauf es bei einer Vorstellungspredigt oder vor einer unbekannten Gemeinde ankommt:
1. Hauptsache laut (und deutlich);
2. auf keinen Fall über 20 Minuten!
Es passierte mir dann aber in der koreanischen Gemeinde, wo ich als Vikar und Hilfsprediger einige Male die Predigt halten durfte, dass die sagten:
Ja das war eine schöne Predigt. Aber etwas kurz. War das alles? Soll das schon alles gewesen sein?
Ich musste noch eine zweite Predigt aus dem Stegreif halten.
Was für eine Frage: War das etwa schon alles?
Wir haben vielleicht alles gegeben, was wir konnten.
Wir haben alles gegeben, worauf man sich vorbereiten kann.
So wie die Eltern in dem Beatles-Song „She's leaving home“ sagen: „Wir haben ihr doch alles gegeben, was man mit Geld kaufen kann.
Aber reicht das?
Hätte es wirklich einfach nur ein bisschen mehr sein müssen?
Oder hätte es nicht vielmehr etwas ganz anderes sein müssen?
Wir alle kennen ja die Situation von beiden Seiten:
Dass wir uns gleich mit dem abspeisen lassen, was uns vorgesetzt wird.
Dass uns mit einer Zugabe das Maul gestopft wird. Dass also etwas mehr besser sein soll.
Und dass wir dann selbst merken:
Das war es nicht.
Nach dem eigentlichen habe ich nicht gefragt
oder
Das entscheidende Wort habe ich nicht gesagt.
Es reicht eben nicht, alles zu geben. Es reicht aber auch nicht, mehr zu geben.
Denn es muss doch [wie ein alter Spontispruch sagt]:
„Es muss doch noch mehr als alles geben“.
Unser Predigttext steht beim Hl. Evangelisten Johannes im 4. Kapitel:
Jesus musste durch Samarien reisen. 5 Da kam er in eine Stadt Samariens, die heißt Sychar, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Josef gab. 6 Es war aber dort Jakobs Brunnen. Weil nun Jesus müde war von der Reise, setzte er sich am Brunnen nieder; es war um die sechste Stunde. 7 Da kommt eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken! 8 Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, um Essen zu kaufen. 9 Da spricht die samaritische Frau zu ihm: Wie, du bittest mich um etwas zu trinken, der du ein Jude bist und ich eine samaritische Frau? Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern. – 10 Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du erkenntest die Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, du bätest ihn und er gäbe dir lebendiges Wasser.
11 Spricht zu ihm die Frau: Herr, hast du doch nichts, womit du schöpfen könntest, und der Brunnen ist tief; woher hast du dann lebendiges Wasser? 12 Bist du mehr als unser Vater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben hat? Und er hat daraus getrunken und seine Kinder und sein Vieh. 13 Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten; 14 wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.
15 Spricht die Frau zu ihm: Herr, gib mir solches Wasser, damit mich nicht dürstet und ich nicht herkommen muss, um zu schöpfen! 16 Jesus spricht zu ihr: Geh hin, ruf deinen Mann und komm wieder her! 17 Die Frau antwortete und sprach zu ihm: Ich habe keinen Mann. Jesus spricht zu ihr: Du hast recht geantwortet: Ich habe keinen Mann. 18 Fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann; das hast du recht gesagt.
19 Die Frau spricht zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. 20 Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten soll. 21 Jesus spricht zu ihr: Glaube mir, Frau, es kommt die Zeit, dass ihr weder auf diesem Berge noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. 22 Ihr wisst nicht, was ihr anbetet; wir wissen aber, was wir anbeten; denn das Heil kommt von den Juden. 23 Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, in der die wahren Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn auch der Vater will solche Anbeter haben. 24 Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. 25 Spricht die Frau zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen. 26 Jesus spricht zu ihr: Ich bin's, der mit dir redet.
...
28 Da ließ die Frau ihren Krug stehen und ging in die Stadt und spricht zu den Leuten: 29 Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe, ob er nicht der Christus sei! 30 Da gingen sie aus der Stadt heraus und kamen zu ihm.
…
39 Es glaubten aber an ihn viele der Samariter aus dieser Stadt um der Rede der Frau willen, die bezeugte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe. 40 Als nun die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb zwei Tage da. 41 Und noch viel mehr glaubten um seines Wortes willen 42 und sprachen zu der Frau: Von nun an glauben wir nicht mehr um deiner Rede willen; denn wir haben selber gehört und erkannt: Dieser ist wahrlich der Welt Heiland.
Liebe Gemeinde,
dass ein Gespräch derartig auf den Punkt kommt, ist schon fast verdächtig. Normalerweise, bei uns, läuft es anders.
Aber vielleicht waren wir auch noch nie in einer Gesprächssituation, in der es darauf ankam, auf den Punkt zu kommen?
Vielleicht kam es aus Höflichkeit oder aus Feigheit nicht zu klaren Aussagen?
Vielleicht aus standpunktloser Rücksichtnahme unsererseits?
Es gibt viele Strategien und Techniken, wie man ein Gespräch an der Oberfläche halten kann.
Small Talk, Cocktail-Party-Dialoge. It's nice to be nice. Absichtlich oder unabsichtlich sich dumm stellen, weghören, ausweichen, vertagen, vertrösten, betäuben, täuschen.
Klassisch die Geschichte vom Vorbeigehen von Levit und Priester an der Notsituation des unter die Räuber gefallenen Mannes. Sie hatten ja so wichtiges zu tun. Termindruck. Unzuständigkeit.
Und umgekehrt gibt es auch verschiedene Strategien, mit den eigenen unausgesprochenen Fragen, den unerfüllten Wünschen, Bedürfnissen und Nöten umzugehen ohne zu widersprechen, ohne frech zu werden, ohne klare Antworten und Positionen einzufordern. Sich vertrösten, betäuben, und täuschen lassen.
Es gibt also viele raffinierte Methoden, den unausgesprochenen Fragen und Wünsche und Bedürfnisse anderer auszuweichen oder sie misszuverstehen oder sogar die Schwäche und die Ratlosigkeit, die die Bedürftigen zeigen, auszubeuten.
Da werden, um das eigene Geschäft und die eigene Lage ausbauen zu können, Arme, auch geistlich Arme ausgenommen und sogar zentrale Glaubensaussagen der Kirche zur Rechtfertigung der eignen Praxis verdreht und lächerlich gemacht.
So sagte ein ehemaliger Kollege zur Rechtfertigung seines Treibens: »Sehen Sie, wir (also die Pfarrer) erzählen auch die verrücktesten Geschichten, die biblisch sind. Wir sagen, eines Tages wird die Welt untergehen, kommt ein Posaunenchor, und oben geht's rallallabumm, und da kommt einer vom Himmel. Das ist schlimmer, als was die Scientologen sich ausgedacht haben.« -
Hier geht es, nebenbei gesagt, um einen wesentlichen Glaubensartikel unserer Kirche, es geht um den Herrn der Kirche, der da war und ist und der da kommt, den wir erwarten.
[Die Verächtlichmachung der christlichen Zukunftserwartung führt zur Heiligsprechung des status quo und zur Perpetuierung des Immergleichen. "Man kann ja doch nichts machen."
Christlich ist dagegen, zu glauben, dass nichts so bleibt wie es ist und damit zu rechnen, dass alles anders kommt als man denkt. „Ihre Herren gehen – unser Herr kommt“. Das für möglich zu halten war eine der Stärken der christlichen Bürgerbewegung in der DDR.
Das Diktum stammt übrigens von Gustav Heinemann, Kirchentag Essen 1950: „Unsere Freiheit wurde durch den Tod des Sohnes Gottes teuer erkauft. Niemand kann uns in neue Fesseln schlagen, denn Gottes Sohn ist auferstanden. Lasst uns der Welt antworten, wenn sie uns furchtsam machen will: Eure Herren gehen – unser Herr aber kommt!“ ]
Der Resignierte braucht dagegen nur noch Beruhigungsmittel.
Die Not und Sehnsucht der Menschen, ihre geistliche Not, wird auch mit Placebos ausgenutzt, die doch nur den Hunger und den Durst verstärken, statt ihn zu stillen. Und das, obwohl und gerade weil die Notlage genauestens analysiert und ausgewertet worden ist!
Bild fragte: „Für wen ist die Essenz gemacht? Für die Gebrechlichen und Beladenen? Der ehemalige Pfarrer sagt: „Wahrscheinlich ist der Mensch, der diese Essenz kauft, einsam. Wenn er sie dreimal am Tag nimmt und dabei sagt: 'ich liebe, ich glaube, ich will zuversichtlich sein' ist das wie Meditation, wie Selbsthypnose.“
Das ein ehemaliger Kollege, Pfarrer, sich nicht scheut, solche Zielgruppenanalyse für sein Geschäft zu machen und die Zielgruppe auszubeuten, so etwas zu machen ist beschämend für alle, die sich Pfarrer nennen in Deutschland.
Dass aber einer seiner alten Freunde, zugleich kirchlicher Vorgesetzter als Präses in Rheinland, ihn nicht korrigiert und zur Ordnung ruft, sondern vielmehr laut unwidersprochener Pressemitteilung
http://www.fliege.de/presse/downloads/Pressemeldung10-08-2011.pdf
versichert, er stünde zu ihm und als Ratsvorsitzender der EKD von einem kritischen Pressesprecher sogar Respekt für Jürgen Fliege einfordert, das ist ein Ärgernis, das sich nur noch mit einem griechischen Fremdwort bezeichnen lässt:
Es ist ein Skandal.
Zur Klarstellung: Wenn Christen sich mit Weihwasser benetzen, dann stellen sie sich damit unter den Segen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und erinnern sich so an unsere gemeinsame Taufe. Das Tauf- wie das Weihwasser ist das Zeichen für das Wasser des Lebens, für das Leben schaffende Wort Gottes.
Welche Verhöhnung, wenn der ehemalige Pfarrer das Katechismuswort Luthers, mit dem Luther ein magisches Verständnis der Taufe abwehrt „Wasser allein tut's freilich nicht“ - ganz im Sinne unseres Predigttextes – welche Verhöhnung, wenn der Geschäftsmann dies ins glatte Gegenteil verdreht und auf seiner Website über seine Essenz behauptet:
„'Das Wort allein reicht nicht' lehrte Luther. Es braucht immer ein Element, um heilsam zu wirken.'“.
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Ich danke Pfarrer Dr. Groth, Heppsingen, Homepage: http://www.pastoerchen.de
http://www.facebook.com/GrothHemer der mir rechtzeitig vor der Predigt noch folgende Belege und Links zusandte
Die "wirklichen" Sätze Luthers, die ich zum Thema Wort und Sakrament fand, sind diese:
1) Kommt das Wort zum Element, so wird ein Sakrament daraus; nicht dadurch, dass es geschieht, sondern weil es geglaubt wird. [...]
[Martin Luther: Bericht über die Verhandlungen in Augsburg mit Kardinal Cajetan (1518). Martin Luther: Gesammelte Werke, S. 1010
(vgl. Luther-W Bd. 1, S. 401) (c) Vandenhoeck und Ruprecht
http://www.digitale-bibliothek.de/band63.htm ]
2) »Wenn das Wort zum Element oder natürlichen Wesen kommt, so wird ein Sakrament daraus«, das ist ein heilig, göttlich Ding und Zeichen.
[Martin Luther: Der große Katechismus (1529). Martin Luther: Gesammelte Werke, S. 1890 (vgl. Luther-W Bd. 3, S. 119) (c) Vandenhoeck und Ruprecht
http://www.digitale-bibliothek.de/band63.htm ]
3) Das Wort muß das Element zum Sakrament machen, wo nicht, so bleibts lediglich ein Element.
[Martin Luther: Der große Katechismus (1529). Martin Luther: Gesammelte Werke, S. 1909 (vgl. Luther-W Bd. 3, S. 132) (c) Vandenhoeck und Ruprecht
http://www.digitale-bibliothek.de/band63.htm ]
4) [...] wie auch Augustinus sagt: »Wenn das Wort zum Element hinzutritt, wird daraus das Sakrament«.
[Martin Luther: Die Schmalkaldischen Artikel (1537). Martin Luther: Gesammelte Werke, S. 2319 (vgl. Luther-W Bd. 3, S. 360) (c) Vandenhoeck und Ruprecht
http://www.digitale-bibliothek.de/band63.htm ]
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Man könnte weitere schockierende Beispiele dieses Irrlehrers Fliege oder sonst aus dem Umkreis unserer Kirche anführen.
In dem Lied „Nun komm, o Geist der Wahrheit“ erflehen wir Hilfe aus der Höhe Gottes nicht nur gegen den Unglauben sondern auch gegen die Torheit und unsere Menschenscheu. Es ist schwer zu entscheiden, welche der genannten Nöte zur Zeit in unserer Kirche am größten ist. Vielleicht doch die Torheit?
Da wird allen Ernstes vom Präsidium des Deutschen Kirchentages zum „interspirituellen Dialog“ ein religiös halbgebildeter Guru als „Meister des Lebens“ beim Deutschen Evangelischen Kirchentag eingeladen und im Programm auch so vorgestellt, für den unsere christliche Religion nur eine Bananenschale ist, während seine Spiritualität die eine und eigentliche Banane sei.
Warum fällt es unserer offiziellen Kirche und uns einzelnen Christen so schwer, Standpunkte zu beziehen, auch zu widersprechen? Warum reden wir lieber über dies und das und weichen der Wahrheit aus?
Ist echter Dialog, bei dem wir uns gegenseitig die Wahrheit sagen, wirklich so schwer?
Schrecken uns Grenzen oder Prominenz so ab, dass wir erst gar nicht das Gespräch suchen und versuchen, nicht einmal innerhalb der Kirche?
Unterscheidung der Geister, mit einem Fremdwort „Religionskritik“ genannt, ist offenbar keine evangelische Disziplin und Tugend mehr.
Es fehlt die Trennschärfe. Aufgabe und Kenntnisse sind verloren gegangen, spielen keine Rolle mehr. In den berühmten Reformpapieren Kirche der Freiheit (EKD) und Salz der Erde (EKBO) kommen Sekten, Religionen und Konfessionslosigkeit bezeichnenderweise gar nicht erst vor.
Apologetik, Verteidigung des christlichen Glaubens also und der Dialog mit den vom Zeitgeist getriebenen und von anderen Religionen und Weltanschauungen motivierten: Beides kann nicht nebenbei, gewissermaßen mit der linken Hand geführt werden.
Den anderen müssen wir ernst nehmen in seiner Tradition, seiner Suche und seinen Bedürfnissen, auch in seiner Verantwortungslosigkeit oder seiner Verständnislosigkeit.
Ernster, als der andere sich selbst zu nehmen bereit ist.
Nötig ist ein Dialog in Konfrontation.
Das heißt, die Dinge aufzudecken und beim Namen zu nennen, um die es geht.
Es geht um Offenheit und Ehrlichkeit auf beiden Seiten.
Es geht für uns und unseren Gesprächspartner ums Ganze. Deshalb dürfen wir auch unsere christliche Spiritualität, bei der es um das Leben schaffende Wort Gottes, das Wasser des Lebens geht, nicht mit irgendeiner Religiosität verwechseln, auch nicht mit einer Geschäftsidee.
Heißt, dass wir auch unklares Reden nicht mitmachen oder unwidersprochen hinnehmen.
Die Frau am Brunnen ist direkt.
Aber ebenso Jesus, der nicht drum herum redet, sondern mit seiner Kritik nicht spart und deutlich wird: „Ihr betet zu dem, was ihr nicht kennt; wir beten zu dem, was wir kennen, denn das Heil kommt von den Juden“.
Und Jesus macht auch seinen Anspruch geltend: „ich bin's der mit dir redet“.
Die Begegnung am Brunnen macht uns Mut
- dass wir keine Berührungsängste haben sollen gegenüber den Anhängern von Sekten, Religionen und New Age
- dass wir im Glaubensgespräch – und welches ernsthafte Gespräch ist kein Glaubensgespräch nicht beim Vordergründigen stehen bleiben müssen.
Denn wir Christen wissen, wen wir im Geist und in der Wahrheit anbeten. Das müssen, das können wir nicht verheimlichen.
Wer ergriffen hat, dass er durch das Bad der Hl. Taufe untergegangen und neugeboren ist,
wer das Heil ergriffen hat, das im befreienden Wort Gottes liegt, der wird selbst eine übersprudelnde Quelle des Heiligen Geistes, des befreienden, lebendigen Wortes Gottes.
So hat es Jesus verheißen:
Joh. 7, 37: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! 7,38 Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.
Von Jesus und den ersten Christen können wir lernen, dass es für den Glauben und den Glaubenden in der Begegnung mit anderen keine Grenzen gibt.
Aber auch: dass es für das Zeugnis des Glaubens keine Hemmungen gibt.
„Wir können's ja nicht lassen“ (Apostelgeschichte 4,20)
Aufdeckend, anrührend und provozierend soll unser Zeugnis sein.
Lieblich, aber auch mit Salz gewürzt, damit wir die richtigen Worte haben, wenn wir jemandem Rede und Antwort stehen (vgl. Kolosser 4,6)
Und wir können mit Christus einladen:
In Offenbarung 22,17 spricht der erhöhte Christus:
Wen dürstet, der kommen und wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst.
Amen.
Predigtlied:
EG 66, V7
Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden:
komme, wen dürstet, und trinke, wer will!
Holet für euren so giftigen Schaden
Gnade aus dieser unendlichen Füll!
Hier kann das Herze sich laben und baden.
Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden.

Personen von links nach rechts:
Pfarrer Thomas Gandow,
Pfarrer Eduard Trenkel, Geschäftsführer der Konsultation Landeskirchlicher Beauftragter im DCI;
Diakon Ingolf Christiansen, Sektenbeauftragter in der Hannoverschen Landeskirche,
Pfr. Christoph Polster, Mitglied im Beirat des Sektenbeauftragten und Beauftragter des
Sprengels Cottbus der EKBO bei der Überreichung der Festschrift [mehr hier]
* * *
Fragen von CiD an Pfarrer Thomas Gandow, der zum 1.September 2011 seinen kirchlichen Dienst liquidiert:
CiD: Wie war Ihr Gefühl bei der Verabschiedung?
Gandow: Ich befürchte, dass die Fortsetzung der Arbeit als ein kirchlicher, gemeindebezogener Dienst erst einmal nicht klappen wird. In der gesamten EKD ist ein Abbau der apologetischen Arbeit, insbesondere der seelsorgerlichen Begleitung von Betroffenen, zu verzeichnen. Der Abschiedsgottesdienst mit ca. 240 Teilnehmern zeigte die starke Verankerung meines Dienstes in den Kirchengemeinden, als deren Beauftragter ich mich immer verstanden habe, nicht als Sprachrohr einer Kirchenleitung.
CiD: Wie geht es Ihnen heute?
Gandow: Ich bin noch mit der Abwicklung befasst.
CiD: Was werden Sie als Nächstes tun?
Gandow: Im Mai wurde ich bei einer Sitzung des Leitungsgremiums des Dialog Center International in Warschau zum Präsidenten des DCI gewählt. Ich versuche, in die Fußstapfen meines Vorgängers, Prof. Johannes Aagaard zu treten und Christen aus Ost und West in der Auseinandersetzung mit Sekten, Kulten und Psychogruppen zusammenzuhalten.
CiD: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Gandow: Eine Kirche, die von den Gemeinden her aufgebaut ist und bei der sich die übergeordneten Gremien im Sinne Jesu als Diener der Gemeinden verstehen. Eine Kirche, bei der sich die leitenden Geistlichen nicht mit einem großen "L" schreiben, wie es in der EKD eingerissen ist. Eine Kirche, in der Mobbing nicht nur ein Fremdwort ist, sondern auch nicht gegen Ehrenamtliche praktiziert wird.
CiD: Was wünschen Sie sich von Ihrem Nachfolger?
Gandow: Ob es überhaupt eine Fortsetzung der Arbeit geben wird?
An den blauen Dunst kann man keine Erwartungen haben.
Wenn es eine oder einen gäbe, würde ich für sie und ihn beten.
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