update von April 2009

Der Auferstandene - Bildausschnitt, Isenheimer Altar, Colmar
Diese Zusammenfassung basiert auf dem Buch des Heidelberger Prof. Gerd Theissen , Professor für neutestamentliche Theologie, 'Der historische Jesus'.
Die Auferstehung widerspricht unserem modernen Weltbild und kann von daher kein historisches Ereignis sein, da es per definitionem ohne Analogie in der Geschichte ist, es hat nämlich offenbar keine innergeschichtliche Ursache. Nach gläubigem Selbstverständnis darf jedoch dieses Ereignis nicht am Maßstab des Wahrscheinlichkeitsurteils gemessen werden, weil damit die mögliche Nichthistorizität eingeschlossen wäre.
Bei der Übersetzung des Osterglaubens in unsere Zeit gibt es daher zwei verschiedene Möglichkeiten: entweder man interpretiert den Osterglauben so, dass er in unsere moderne Überzeugungswelt integriert werden kann, oder man modifiziert moderne Prämissen vom Osterglauben her.
Interpretationen des Ostergeschehens innerhalb moderner Prämissen angesichts des leeren Grabes: Jüngerdiebstahl, Scheintod Jesu, Umbestattung - nebst modernen Varianten; auch die subjektive Visionstheorie in der liberalen Theologie gehört in diese Interpretationssparte.
Interpretationen des Ostergeschehens, die moderne Prämissen verändern und mit dem Osterglauben in Übereinstimmung bringen: die sog. objektive Visionstheorie, die davon ausgeht, dass die Ostererscheinungen auf Gott zurückgehen und einen objektiven Sachverhalt offenbaren; zudem die objektive Erscheinungstheorie, die reale Erscheinungen aus einer anderen Welt impliziert. Auch kann man Ansätze von R. Bultmann, K. Barth und W. Pannenberg hier einordnen.
| Willi Marxsen (* 1. September 1919 in Kiel; † 18. Februar 1993 in Münster (Westfalen)) war ein evangelischer Theologe und Professor für Neutestamentliche Einleitungswissenschaft und Theologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. |
Zunächst Willi Marxsens Osterdeutung:
Ostern als Weitereignung des Jesuskerygmas:
Für Marxsen ist die Auferstehung Jesu kein historisches Ereignis, sondern ein zeitgebundenes Interpretament. Historisch lasse sich nur feststellen, dass Menschen nach dem Tode Jesu etwas berichten, das sie als Sehen Jesu bezeichneten. Die Reflexion dieses Ereignisses habe zu der Interpretation geführt: Jesus ist auferstanden.
Das Jesuskerygma (Die Verkündigung über Jesus) in der Urgemeinde sei von diesem Ereigniss ausgegangen. Die Osterzeugen erlebten, dass die Nähe Gottes, die sie durch die Begegnung mit Jesus erlebt hatten, ihnen erneut geschenkt wurde: Joh 20,21: Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Literarisch habe sich diese Weiterverkündigung der Botschaft Jesus in der synoptischen Tradition (also bei den Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas) niedergeschlagen.
Der Osterglaube sei daher zu allen Zeiten eine Orientierung am irdischen Jesus, seinem eschatologischen (also auf die Endzeit bedachten) Anspruch und seiner Verkündigung, die für die Gegenwart ausgerichtet werden.
Das personale Christuskerygma (also die Verkündigung von Jesu Geburt, Kreuz, Auferweckung Jesu Christi als Heilsereignisse) müssten ebenfalls im Dienste des Irdischen ausgelegt werden. Für Marxsen hat dies kein sachliches Eigengewicht.
Die Osterverkündigung in der Gemeinde bedeute die Weiterverkündigung der Botschaft des irdischen Jesus. Dadurch sei das Eschaton (die letzten Ereignisse des Menschen) bereits vorweggenommen, dadurch erweise er sich auch heute noch als der Lebendige.
Marxsen bleibt damit im Rahmen moderner Prämissen. Mit der Aussage, dass sich auf diese Weise das Eschaton ereigne, verlässt er allerdings diese moderne Sichtweise und kommt der existentialen Deutung R. Bultmanns nahe, nur mit dem Unterschied, dass er den Einbruch des Eschatons nicht zu Ostern ansetzt, sondern mit dem irdischen Jesus verbindet.
Die folgenden Ansätze von Rudolf Bultmann, Karl Barth und W. Pannenberg sind sich demgegenüber darin einig, dass erst der Osterglaube dem Gläubigen ein neues Selbst- und Weltverständnis erschließt, durch das teils moderne Prämissen modifiziert werden. Ostern mache demnach offenbar:
| Rudolf Karl Bultmann (* 20. August 1884 in Wiefelstede, † 30. Juli 1976 in Marburg) war ein evangelischer Theologe. Er wurde bekannt durch sein Programm der Entmythologisierung der neutestamentlichen Verkündigung. Er war Professor für Neues Testament. Seine Auffassungen wurden von der Systematischen Theologie und der Philosophie aufgegriffen. |
Existentiale Deutung nach Rudolf Bultmann:
Die Rede von der Auferstehung Jesu nach dem berühmten Vortrag Bultmanns “Neues Testament und Mythologie” bezieht sich nicht auf ein historisches Ereignis, sondern bedient sich einer mythischen Vorstellung, die samt dem zugehörigen Weltbild für den modernen Menschen “erledigt” sei. Daher müsse man die Auferstehung verkündigen in der Art, dass sie heute nicht als historisches oder mythisches Ereignis erscheint, sondern als eine Wirklichkeit, die unsere eigene Existenz übertrifft. Dadurch werde auch dem modernen Menschen ein neues Selbstverständnis angeboten, das dem natürlichen Menschen jedoch verschlossen bleibe.
Osterglaube sei demnach der Ausdruck der Bedeutsamkeit des Kreuzes, also der Glaube an das Kreuz als Heilsereignis, in dem die Welt gerichtet und die Möglichkeit eines echten Lebens geschaffen worden sei.
Osterglaube sei zudem Glaube an das Wort der Verkündigung: der gekreuzigte und auferstandene Christus begegne nirgends anders, als im Wort der Verkündigung, also im Kerygma. Das Ereignis Jesus Christus werde in der Anrede Gottes präsent als das “je mich in meiner Existent treffende Ereignis”.
Osterglaube sei Glaubensentscheidung angesichts des Kreuzes: die Erkenntnis und Bejahung des gescheiterten eigenmächtigen Lebensvollzuges und das Ergreifen des neuen Selbstverständnisses, somit das Ja zum Leben als Geschenk Gottes.
Bei Bultmann hat der Osterglaube in Übereinstimung mit dem NT eine zentrale Postition: er ist die Antwort auf eine Anrede Gottes und immanent nicht erklärbar. Er beinhaltet eine Wahrheit über den einzelnen Menschen: das Angebot des wahren Lebens ist schon in diesem Leben vorhanden ! Osterglaube offenbart die conditio humana (menschliche Bedingung) vor Gott: wahres Leben ist radikales Geschenk - eine creatio ex nihilo!
| Karl Barth (* 10. Mai 1886 in Basel; † 10. Dezember 1968 in Basel) war ein Schweizer evangelisch-reformierter Theologe. Er gilt im Bereich der europäischen evangelischen Kirchen aufgrund seiner theologischen Gesamtleistung als „Kirchenvater des 20. Jahrhunderts“. |
Offenbarungstheologische Deutung nach Karl Barth:
Barth bestreitet der historischen Wissenschaft die Zuständigkeit für das zwar nicht historische, dennoch aber wirklich geschehene Ereignis der Auferstehung.
![]() | Wolfhart Pannenberg (* 2. Oktober 1928 in Stettin) ist evangelischer Theologe. |
Universalgeschichtliche Deutung von Wolfhart Pannenberg:
Pannenbergs Anliegen ist es, die Wahrheit der neutestamentlichen Botschaft von der Auferstehung Jesu als historisches Ereignis wahrscheinlich zu machen. Dazu formuliert er drei Postulate, durch die das moderne Weltbild so modifiziert werden, dass es kompatibel wird mit dem Glauben:
Diese drei Postulate werden mit einer historischen Quellenanalyse verknüpft, bei der das Ostergeschehen historisch bezeugt wird durch Visionen, deren transsubjektiver Gehalt als wahrscheinlich darzustellen versucht wird. Das leere Grab hat davon unabhängig einen bestätigenden Charakter.
Osterglaube verifiziere somit einen allgemeinen apokalyptischen (universalgeschichtlichen) Erwartungshorizont, in dem zutage trete, was es mit der Universalgeschichte auf sich habe.
Zusammenfassende Überlegung:
Die Grundfrage lautet: soll das Ostergeschehen von Analogien unserer Erfahrungswelt her gedeutet werden, oder soll es als analogieloser Einbruch von etwas ganz anderem unsere Erfahrungwelt erweitern ?
Diese Alternative würde sich nicht so scharf stellen, wenn es einen Grund gäbe, gerade gegenüber dem Osterglauben die Welt unserer Erfahrungsanalogien zu verlassen. Solch einen Grund gibt es:
Ostern ist eine Auseinandersetzung mit dem Tod. In der Auferstehung Jesu offenbart sich eine rätselhafte und todüberwindende Macht. Vom Tod jedoch haben wir keine Erfahrung, lediglich vom Leben bis nah an den Tod heran.
Das Verstehen von Analogien der Erfahrungswelt her ist a priori aber auf Erscheinungen dieser Erfahrungswelt beschränkt. Dort aber, wo wir sie (wie im Tod) verlassen und in Bereiche jenseits unserer Erfahrungswelt dringen, stranden wir zwangsläufig mit unseren Erfahrungen. So wenig, wie wir nun den Tod mit Analogiens unserer Erfahrungswelt durchdringen können, so wenig begreifen wir die todüberwindende Macht des Ostergeschehens aufgrund solcher Analogien.
Entweder nämlich bricht diese Macht analogielos in unser Leben ein, oder sie ist nicht das, was sie zu sein vorgibt. Sofern sie ins Leben hineinragt, ist es sinnvoll, nach analogen Visionen und außernormalen Informationen über den Tod hinaus zu suchen.
Sofern sie aber von jenseits der Todesgrenze in unsere Welt hineinragt, scheitern wir mit Analogien zwangsläufig.
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Quellen:
Veröffentlichung des Textes mit freundlicher Genehmigung der Redaktion theolounge.de, (Marc Gerlach), wikipedia, Uni Heidelberg, EV
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