Foto/Grafik von Thorben Wengert via pixelio.de
Nachdruck des Artikels der FR vom 14.Juli 2005 bei CiD -
mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Rundschau (FR)
Geschrieben von Wolfgang Kunath (Rio de Janeiro)
Brasilien. Elf Stunden dauerte es, bis die Polizei das Geld gezählt hatte, mit dem der "Bischof" einer Neupfingstler-Kirche im Privat-Jet durch Brasilien flog. Alles legal, besänftigte seine Kirche, die Igreja Universal: Die sieben Koffer voller Geld seien bloß ein Teil der Sonntagskollekte. Die brasilianische Polizei beschlagnahmte die 10, 2 Millionen Reais (rund 3, 4 Millionen Euro) auf dem Flughafen von Brasília, wo der "Kirchenfürst" einen Zwischenstopp gemacht hatte, um Geld in Empfang zu nehmen. João Batista Ramos kam mit zwei anderen hohen Funktionären der Igreja Universal aus Manaus und Belém, wo sie bereits Geldkoffer eingeladen hatten - offenbar der Zehnte, den die Neupfingstler-Kirche jeden Sonntag von ihren meist armen Anhängern kassiert. Die Kirche begründete den Geldtransport damit, dass die Banken im Amazonasgebiet so große Summen in kleinen Scheinen nicht annähmen. Zwar sind brasilianische Banken wirklich nicht sehr kundenfreundlich, aber der Transport von so großen Mengen Bargeld ist ungewöhnlich in einem Land, in dem Menschen aus Angst vor Überfällen Kleinbeträge per Scheck oder Kreditkarte zahlen.
"Bischof" Ramos sitzt für eine Rechtspartei im Bundesparlament, was den Verdacht weckte, das Geld könnte in Zusammenhang mit einem Bestechungsskandal stehen: Die Regierungspartei von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva soll sich Unterstützung bei rechten Abgeordneten erkauft haben.
Doch die Kirchen-Millionen haben damit offenbar nichts zu tun. Ihren Zugriff begründete die Polizei mit dem Verdacht auf Steuerhinterziehung und Geldwäsche. Zwar sind Religionsgemeinschaften steuerbefreit, aber der Igreja Universal do Reino de Deus gehört ein Glaubens- und Medienimperium, das im Ruf steht, über Tochterfirmen auf den Cayman-Inseln Geld zu waschen. Die Igreja Universal gilt als geldgierigste der Neupfingstler-Kirchen. Sie haben in den vergangenen Jahrzehnten in Brasilien so viel Zulauf erhalten, dass der Anteil der Katholiken seit 1970 von 92 auf rund 70 Prozent gesunken ist.
10 Prozent Opfergeld und eine schlichte Lehre
Gegen Spenden verspricht sie materiellen Erfolg - eine schlichte Lehre, die gerade Arme attraktiv finden. Unter Berufung auf das Alte Testament fordert sie den Zehnten, aber der Segen ist für die Führungsclique der Kirche reserviert: Während den Chefs fünf Flugzeuge und ein Hubschrauber gehören, betreibt die Igreja Universal weder solidarische Gemeindearbeit noch Sozialprojekte. Seit Anfang der 90er Jahre hat die Igreja Universal ihr Imperium aufgebaut, dessen Grundstein der religiöse Record-Fernsehsender ist. Erst wurden die Kirchenführer von den politischen Parteien gehätschelt, die auf Wählerstimmen hofften, dann wandte sich die Igreja Universal selbst der Politik zu und errang zahlreiche Mandate.
Einer ihrer Führer, "Bischof" Marcelo Crivella, kandidierte 2004 als Bürgermeister von Rio de Janeiro, allerdings ohne Erfolg.
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Siehe auch: Klaus Hart Brasillientexte
“Als großer Kontrolleur und Leiter des Anti-Hunger-Programms fungierte seit Lulas Amtsantritt 2003 ein Bischof der Universalkirche Edir Macedos. Leute wie der Befreiungstheologe Frei Betto kündigten daher ihre Mitarbeit auf. Alle Abkommen, die Lula mit der Universalkirche und den anderen evangelikalen Kirchen schloß, mußten auf die Opposition der katholischen Kirche stoßen. Die Universalkirche ist sehr intelligent darin, stets zu wissen, woher politisch der Wind weht. Diese Kirche handelt nicht anders als bestimmte Großunternehmen. Eine evangelikale Kirche in Brasilien aufzumachen, ist ein gutes Geschäft. Bei den Präsidentschaftswahlen 2010 wird Lula erneut die Hilfe solcher Kirchen brauchen, auch der Universalkirche.”
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