Unantastbarer NAK-Glaube:

"Der Glaube an die gegenwärtige Offenbarung des Herrn in dieser Zeit"

   
Am letzten Sonntag, den 8. Januar 2012, in Stendal brachte es der Präsident der Neuapostolischen Kirche (NAK) Stammapostel Dr. Wilhelm Leber mal wieder auf den Punkt, was in seiner Kirche geglaubt und verkündigt werden soll:

„Wir wollen darauf achten, das muss die Grundlage unseres Dienens sein, dass wir den Glauben festhalten, unantastbar soll der Glaube sein:
Der Glaube an Jesus Christus,
der Glaube an die gegenwärtige Offenbarung des Herrn in dieser Zeit und
der Glaube an die Zukunft, der Glaube an den wiederkommenden Herrn."
Das sei "unantastbar“
!

Und weiter:

"Um Missverständnisse vorzubeugen, das bedeutet nicht, dass man auch mal was hinterfragen kann, dass man auch mal eine Erklärung erbitten kann, das ist jedem unbenommen, das soll gerade sein zur Festigung, damit wir uns auch darüber im Klaren sind, was wir glauben.

Aber diese Kernelemente des Glaubens: Der Herr, der das Opfer gebracht hat für uns, die gegenwärtige Offenbarung des Herrn in dieser Zeit und die Zukunft des Herrn: „Er kommt gewiss!“ das muss unantastbar sein, das wollen wir uns unter gar keinen Umständen rauben lassen."

Soweit so gut könnte man sagen. Der Glaube an Jesus Christus und der Glaube an die Zukunft, an die Wiederkunft Christi, werden von Christen in ihren Glaubensbekenntnissen bezeugt. Aber was ist das mit der GEGENWÄRTIGEN  Offenbarung?

Das Internet-Magazin "Religionsreport" (RR) hat nachgefragt und bekam zunächst eine mit dem Stammapostel abgestimmte Antwort, die sich wohl auch im neuen Katechismus wieder finden soll:

Zitat RR:

"Die Predigten des NAK-Apostolats sollen demnach in der Heiligen Schrift gründen und die Apostel würden in der Ausübung ihres Lehrauftrages durch den Heiligen Geist geleitet, womit sich die Erfüllung der Verheißung aus dem Johannesevangelium für die Gegenwart aktualisiere. Dadurch werde die in Jesus Christus geschehene Selbstoffenbarung Gottes vom Heiligen Geist wach gehalten. Menschwerdung, Tod, Auferstehung und Wiederkunft des Gottessohnes stünden im Zentrum der gegenwärtigen Offenbarung."

Auch gut, könnte man denken, denn Menschwerdung, Tod, Auferstehung und Wiederkunft sind christliche Grundüberzeugungen seit Jahrhunderten, aber was ist nun WIRKLICH  gemeint, wenn Leber von der "gegenwärtigen Offenbarung in dieser Zeit" spricht?
Gegenwärtige Offenbarung kann doch nur ein tieferes Verstehen des Geheimnisses Jesu meinen  - also Erkenntnisse, die sich auf Schriftaussagen gründen.

Doch das sieht die NAK aber offenbar ganz anders.

Zitat RR:

"Dem Apostolat würden, jedenfalls in der offiziellen Interpretation der NAK, neue Einsichten über das Wirken Gottes und seinen Heilsplan vermittelt werden – sofern sie in der Schrift bereits angedeutet, aber noch nicht komplett enthüllt seien. Das wichtigste Beispiel dafür sei die Lehre von der Heilsvermittlung für Entschlafene. Es obliege dem Stammapostel als Inhaber der lehramtlichen Vollmacht, neue Einsichten aus dem Heiligen Geist zu verkünden oder gar zur offiziellen Kirchenlehre zu erheben."

Ah ja, da wäre sie dann wieder: Die "Lehre vom neuen Licht".
Der ehemalige Stammapostel Krebs hatte schon damals verkündigt, dass im Apostolat auch das prophetische Amt verkörpert sei. Damit einher ging die Einzigartigkeit der Apostel, die mit ihm verbunden waren und feste Heilszusagen durch die Wirksamkeit dieser Apostel.

Das greift die NAK jetzt offenbar wieder auf und damit tut sie sich kirchenpolitisch und in den Gesprächen mit der ACK, die in diesem Monat fortgesetzt werden sollen, ganz sicher keinen Gefallen.

Denn wenn die Möglichkeit von Neuoffenbarungen - auch wenn man sie so nicht nennen will - wie zum Beispiel auch die sogenannte Botschaft von Stammapostel J.G. Bischoff, sich jederzeit wieder entwickeln können oder unbiblische Sonderlehren wie die Heilsvermittlung durch das neuapostolische Entschlafenenwesen damit gerechtfertigt werden sollen, dann hat die NAK im Kreis der christlichen Kirchen bis auf Weiteres keinen Platz.  

Problematisch wird es eben immer dann, wenn die NAK OHNE biblische Grundlage postuliert, dass ein neuapostolischer Stammapostel die Befugnis qua Amtsautorität habe, etwas zur verbindlichen Lehre zu erklären. In diesem ist eine deutliche Parallele zur Römisch Katholischen Kirche (RKK) und zum Papsttum zu erkennen und dessen Anspruch Dogmen als von Gott offenbarte Wahrheit verkündigen zu können.

Diese Rückentwicklung von der mühsam gewonnenen Position die Bibel als Maßstab aller Lehre zu definieren, ist sehr bedenklich.
Auch der jetzt im Ruhestand befindliche Bezirksälteste der NAK, Frank Preusse, hat dieses Phänomen vor einem knappen Jahr schon trefflich bei glaubenskultur beschrieben:

"Die NAK hat eine, vielleicht die entscheidende Grundposition ihrer Lehre aufgegeben: Alleinige Basis ist das Evangelium; [BAV-Beschluss von Nizza 2004 ] der Auftrag der Kirche ist der „Missionsbefehl“ Jesu.
Es ist ganz offensichtlich, dass im Vordergrund und als Ausgang aller Überlegungen das Überleben der Institution NAK und die Begründung der Notwendigkeit der Neuapostolischen Apostel steht. „Wir denken Kirche immer mit Apostel …“ (Pr. Kiefer am ÖKT 2010), das ist der zentrale Denkansatz, der alle Kernaussagen zu Kirche, Sakramenten, Sündenvergebung und Eschatologie erschließt. Eine Kirche muss jedoch immer wieder ihre Lehre und Dogmen am Evangelium prüfen. Wer Kirche nicht vom Evangelium, von Jesus Christus her denkt, wer nicht bereit ist, auch fundamentale Positionen zu räumen, wenn sie nicht vom Evangelium gedeckt sind, läuft Gefahr, sich auf dem Weg zu Gott hin zu verirren."

 
Mit dem neuen Katechismus verlässt die NAK einmal mehr den Beschluss von Nizza....und fährt Richtung Rom.

Wie sagte es schon Martin Luther:

"Was Christus nicht lehret, das ist nicht apostolisch,
wenn’s gleich Petrus oder Paulus lehret,
wiederum, was Christus predigt, das ist apostolisch,
wenn’s gleich Judas, Hannas, Pilatus und Herodes täte."


Siehe auch Eintrag eines Forums-Users bei glaubensforum24:  "Heute im Gottesdienst"