Uhrumstellung: Grafik: Karin Jung via pixelio | Am Sonntag, den 30. Oktober 2011, endet um 3 Uhr morgens dieses Jahr in Deutschland die Sommerzeit. Zu diesem Zeitpunkt wird die Uhr um eine Stunde zurück auf 2 Uhr Mitteleuropäische Zeit, MEZ (Winterzeit oder Normalzeit) zurückgestellt. |
In Russland herrscht künftig das ganze Jahr Sommerzeit. Foto: KremlchefDmitri Medwedew, 46 |
Moskau (dpa) - Ewige Sommerzeit in Russland: Erstmals seit 30 Jahren stellt das größte Land der Erde in der Nacht zum Sonntag nicht wie das übrige Europa die Uhren um eine Stunde zurück. Auf Anordnung von Kremlchef Dmitri Medwedew schafft das Riesenreich die Zeitumstellung ab und bleibt auch im Winter bei der Sommerzeit. Dies bedeute weniger Stress für Mensch und Tier, begründete Medwedew seine bereits im Februar beschlossene Initiative.
Damit ist die Hauptstadt Moskau zum Beispiel Deutschland bis Ende März drei statt bislang zwei Stunden voraus. Aufgrund des größeren Zeitunterschieds zu ihren westlichen Handelspartnern befürchten Firmen Verluste. Reiseunternehmen warnen vor Folgen für den Tourismus.
Umfragen zufolge befürworten 73 Prozent der Russen die Abschaffung der Winterzeit - die eigentlich die normale Zeit ist. Die damalige Sowjetunion hatte 1981 erstmals die Zeiger eine Stunde vor auf Sommerzeit gestellt, nun bleibt Russland bei dieser Einstellung.
Parallel schafft am Wochenende auch das Nachbarland Weißrussland die regelmäßige Zeitveränderung ab. Einer der Gründe sei die Zollunion beider Länder und Kasachstans, hatte die Regierung in Minsk dies begründet.
Der Verzicht auf die Umstellung ist nicht das erste Mal, dass der Kreml auf besondere Weise an der Uhr dreht. Auf Medwedews Befehl hatte Russland im Vorjahr die Zahl der Zeitzonen von elf auf neun reduziert. Neue Wirtschaftsprojekte und eine einfachere Verwaltung verspricht sich die Führung davon. Immer wieder lobt der Präsident große Länder wie die USA oder China, die mit deutlich weniger Zeitzonen auskämen.
Wissenschaftler applaudierten dem Staatschef: Denn der halbjährliche Wechsel von der Sommerzeit zur eigentlichen Normalzeit im Winter spare keine Energie ein. Vielmehr werde nun die Zahl der Tageslichtstunden von 7 auf 17 Prozent steigen, rechnete der Kreml aus. Auch medizinisch lohne sich der Schritt: So erwarten Ärzte wegen der längeren Helligkeit angeblich weniger Selbstmorde. Kritiker warnen dagegen, dass es vor allem in nördlichen Regionen deutlich länger dunkel bleibe.
| < Zurück | Weiter > |
|---|