Gott ist anders

Warum müssen wir das Christentum neu denken?
Fragen an den anglikanischen Bischof John Shelby Spong


"Je älter ich werde, umso intensiver glaube ich, doch umso weniger Glaubens-gewiss-heiten und Bekenntnissätze besitze ich."

Spong vertritt eine liberale Theologie und versucht, eine postmoderne Weltsicht mit christlichem Glauben zu vereinen. Einflüsse kommen von Petrus Abaelardus, Paul Tillich, John Hick und John B. Cobb. Spong gilt auch als Proponent des Feminismus und der Rechte Homosexueller in der Kirche.

Er versteht sich als Christ, sieht jedoch die Notwendigkeit einer tiefgreifenden theologischen Reform, ja einer erneuten Reformation, um das Christentum für moderne Menschen glaubwürdig zu machen.
Zu seinen provokantesten Thesen gehört die Behauptung, dass Theismus in der postmodernen Welt sinnlos („tot“) ist und dass zahlreiche biblische Aussagen über Gott und Jesus nicht wörtlich zu nehmen sind, wie zum Beispiel die Wunder, die jungfräuliche Geburt Jesu und seine körperliche Auferstehung und Auffahrt in einen Himmel über den Sternen.


John Shelby Spong (80): "Als ich Theologie zu studieren begann, hatte ich einen fundamentalistischen Kinderglauben aufzuarbeiten."

Spong versteht Gott als Quelle des Lebens, aber nicht als übernatürliche Macht. Auch glaubt er nicht, das die Menschen in Sünde geboren sind und der stellvertretenden Versöhnung durch ein Sühnopfer bedürfen: "Die stellvertretende Erlösung ist grotesk geworden sowohl im Blick auf Gott, der das Blutvergießen eines menschlichen Opfes als eine Voraussetzung für die Erlösung braucht, als auch im Blick auf die Menschheit, die als gefallen und verdorben angesehen wird."
Zu den häufigsten konservativen Kritikpunkten an Spongs Aussagen gehört, dass sie nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar seien.
Publik forum führt das Interview mit Bischof Spong:

Herr Bischof, wer ist Gott für Sie?

John Shelby Spong: Als ich noch jung war, sagte mir einmal ein betagter Bischof: »Je älter ich werde, umso intensiver glaube ich, doch umso weniger Glaubensgewissheiten und Bekenntnissätze besitze ich.«
Exakt in dieser Situation lebe ich selbst. Ich kann nicht erklären, wer Gott ist. Dies kann kein Mensch. Wer, wie, was Gott ist, übersteigt die Grenzen intellektueller Verstehenskraft. Eines aber kann ich nicht: Ich kann Gott nicht als eine überirdische Person darstellen, in Analogie zu einem lebendigen Menschen. Ich glaube nicht an Gott als ein höheres Wesen, das mit Allmacht ausgestattet und in der Lage ist, in die Geschichte einzugreifen. Da dies jedoch die Vorstellung der meisten Menschen von Gott ist, wird mir häufig der Vorwurf gemacht, ich glaubte nicht an Gott. Das ist unwahr!
Ich mache vielmehr die Erfahrung, dass ich von Gott durchdrungen bin – wie bei den Mystikern.
Ich erfahre Gott auf drei Weisen: zunächst im Geschenk des Lebens; ich verehre Gott, indem ich mit Freude das Leben lebe. Ich erfahre Gott zweitens als die tiefste Quelle der Liebe. Ich bete ihn an, indem ich voll und ganz liebe. Und ich sehe drittens – um mit einem Satz des großen, deutsch-amerikanischen Theologen Paul Tillich (1886-1965) zu sprechen – in Gott den Grund des Seins, in dem alles, was ist, zusammengehalten wird.



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Siehe auch Artikel bei rpi-virtuell:
Glaubwürdig von Gott reden
Warum der alte Glaube neu geboren werden muss


 

Quellen: wikipedia, publik-forum.de, rpi-virtuell.de