Vor 49 Jahren: Eröffnung des zweiten Vatikanischen Konzils

"Die Kirche wird auf dem Wege ihrer Pilgerschaft von Christus zu dieser dauernden Reform gerufen, derer sie allzeit bedarf"

Papst Johannes XXIII. eröffnet am 11. Oktober 1962 das Zweite Vatikanische Konzil, zu dem er auch Beobachter von 18 nichtkatholischen Kirchen eingeladen hat.


Das zweite Vatikanische Konzil, 1962
Der Papst (Roncalli XXIII) wies in der lateinischen Eröffnungsansprache Gaudet Mater Ecclesia („Es freut sich die Mutter Kirche“) ausdrücklich darauf hin, dass eine gewisse Aktualisierung dogmatischer Sätze im Sinne ihrer Orientierung auf das Verständnis des gegenwärtigen Zeitalters möglich und notwendig sei. Denn das eine sei das ewige Dogma, die bleibende Wahrheit, ein anderes die Ausdrucksweise der jeweiligen Zeit.

Ökumenismusdekret
Das Dekret über den [->] Ökumenismus "Unitatis redintegratio" wird verabschiedet. Darin heißt es u.a.:
"Die Sorge um die Wiederherstellung der Einheit ist Sache der ganzen Kirche, sowohl der Gläubigen wie auch der Hirten, und geht einen jeden an, je nach seiner Fähigkeit, sowohl in seinem täglichen christlichen Leben wie auch bei theologischen und historischen Untersuchungen."

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Foto: Papst Johannes XXIII  (* 25. November 1881 in Sotto il Monte; † 3. Juni 1963)
  Angelo Giuseppe Roncalli wurde am 28. Oktober 1958 zum Papst Johannes XXIII  gewählt. Er wird auch der „Konzilspapst“ oder wegen seiner Bescheidenheit und Volksnähe im Volksmund "Il Papa buono", „der gute Papst“, genannt. Es war mehr als nur eine Überraschung - fast schon eine Sensation: Am 25. Januar 1959 kündigte Papst Johannes XXIII. ein neues Konzil an, das als "Zweites Vatikanisches Konzil" (1962 - 1965) in die Geschichte eingehen sollte. Ein Weckruf für die katholische Welt - und das von einem damals schon 77-Jährigen, der eigentlich als "harmloser Kompromisskandidat und Papst des Übergangs" galt

Lange über die Ökumene nachgedacht
Gegenüber dem französischen Philosophen Jean Guitton, den der Papst als ersten Laienbeobachter zum Konzil einlud, bekannte er sich dazu, schon sehr lange, seit Leo XIII. 1902 von den getrennten Brüdern sprach, über die Ökumene nachgedacht zu haben. Das Konzil sollte das „[->] Aggiornamento“ (bedeutet: Anpassung an heutige Verhältnisse)  der katholischen Kirche im 20. Jahrhundert einleiten und versinnbildlichen. Historische Verdienste erwarb er sich um die Überwindung der Kubakrise, als er mittels eines Briefes zwischen dem katholischen John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow vermittelte, und durch zahlreiche Friedensinitiativen, zum Beispiel durch seine Enzyklika Pacem in terris.

Bußgebet
Kurz vor seinem Tod formulierte Johannes XXIII. ein Bußgebet, das um Sinnesänderung der Christen in ihrem Verhältnis zu den Juden bittet. Eine Gedenktafel mit diesem Bußgebetzitat ist vor der Wernerkapelle, ein rheinromantisches Wahrzeichen der Stadt Bacharach am Rhein, angebracht:

„Wir erkennen heute, dass viele Jahrhunderte der Blindheit unsere Augen verhüllt haben, so dass wir die Schönheit Deines auserwählten Volkes nicht mehr sehen und in seinem Gesicht nicht mehr die Züge unseres erstgeborenen Bruders wiedererkennen. Wir erkennen, dass ein Kainsmal auf unserer Stirn steht. Im Laufe der Jahrhunderte hat unser Bruder Abel in dem Blute gelegen, das wir vergossen, und er hat Tränen geweint, die wir verursacht haben, weil wir Deine Liebe vergaßen. Vergib uns den Fluch, den wir zu unrecht an den Namen der Juden hefteten. Vergib uns, dass wir Dich in ihrem Fleische zum zweitenmal ans Kreuz schlugen. Denn wir wussten nicht, was wir taten.“

Den Abschluss des 2. Vatikanischen Konzils erlebte Johannes XXIII. nicht mehr, denn am 3. Juni 1963 erlag er einem Krebsleiden. Er starb um 19:50 Uhr im apostolischen Palast. Sein von ihm stark favorisierter Nachfolger, der von ihm zum Kardinal erhobene Erzbischof Montini, Paul VI., führte das Konzil 1965 zu Ende. Dieser eröffnete 1970 den Seligsprechungsprozess für seinen Vorgänger. Von Papst Johannes Paul II. wurde Johannes XXIII. im Jahr 2000 am 3. September zusammen mit dem Konzilspapst des 1. Vatikanums (1869/70) Pius IX. seliggesprochen. Sein mumifizierter Leichnam ruht seitdem in einem gläsernen Sarg im Petersdom unter dem Altar des Heiligen Hieronymus. In dem frei gewordenen Grab wurde am 8. April 2005 Johannes Paul II. beigesetzt.

   [->] Die Rede von Papst Johannes XXIII. zur Eröffnung des 2. Vatikanischen Konzils am 11. Oktober 1962


Unzählige Anekdoten
Von Johannes XXIII. existieren unzählige Anekdoten, die seine humorvolle und zugleich bodenständige Art schildern, die aus ihm einen echten „Volkspapst“ machten.

  • So soll er unter anderem einmal auf die Frage, wie viele Menschen im Vatikan arbeiten, geantwortet haben: „Ungefähr die Hälfte.“

  • Er ging oft in den vatikanischen Gärten spazieren, was ihm den Spitznamen „Johnny Walker“ einbrachte.

  • Als er einmal einen Gärtner sah, sagte er zu seinem Sekretär: „Geben Sie ihm ein Andachtsbildchen, mit dem er seiner Frau einen Blumenstrauß kaufen kann.“

  • Auch berühmt ist sein Ausspruch: „Jeder kann Papst werden – das beste Beispiel bin ich.“

  • Zu Lehrdefinitionen hatte er eine eher distanzierte Einstellung. Kurz nach seiner Wahl antwortete er auf eine diesbezügliche Frage: „Ich bin zwar jetzt unfehlbar, gedenke aber nicht, davon Gebrauch zu machen.“
Wird das Zweite Vatikanische Konzil verfälscht?     
Der Papst wirbt um die Traditionalisten.
Und wer wirbt für die Erneuerung von Glaube und Kirche in Weiterentwicklung des Konzils? Beobachtungen des Moraltheologen Eberhard Schockenhoff geben zu denken.
[->] CiD

Leserbrief: Die Zeit der Kirchenhierarchien ist abgelaufen
Zusammenhang zwischen RKK und NAK
[->] CiD

Die Kirche Roms relativiert sich selber
Der Ökumenismus war erst möglich, nachdem das Pastoralkonzil den katholischen Absolutheitsanspruch preisgegeben hatte.
[->] kreuz.net

 

Quellen: Ökumenisches Heiligenlexikon, Ökumenismusdekret (2. Vatikanisches Konzil), wikipedia