Vor 50 Jahren wurde das zweite Vatikanische Konzil ausgerufen

"Wir hielten die Zeit für reif der katholischen Kirche und der Menschheitsfamilie die Möglichkeit eines neuen Ökumenischen Konzils zu schenken" (Papst Johannes XXIII)

 
Papst Johannes XXIII. rief am 25. Dezember 1961 das Zweite Vatikanische Konzil, dass er dann am 11. Oktober 1962 eröffnet hatte. Zum Konzil wurden Beobachter von 18 nicht-katholischen Kirchen eingeladen.

Vatikanstadt. 1962 sollte das "Jahr des Konzils" werden. Die größte Kirchenversammlung des 20. Jahrhunderts hatte allerdings einen längeren Vorlauf. Im Januar 1959 kündigte Papst Johannes XXIII. - zum Entsetzen mancher Kardinäle - ein allgemeines Konzil an. Zu Weihnachten 1961, vor genau 50 Jahren, verschickte er die offizielle Einladung für das folgende Jahr. "Wir hielten die Zeit für reif der katholischen Kirche und der Menschheitsfamilie die Möglichkeit eines neuen Ökumenischen Konzils zu schenken", schrieb der Papst in seiner Konstitution "Humanae salutis" vom 25. Dezember 1961. (kirchensite)

Nach Meinung etlicher Katholiken sei es wieder an der Zeit, dass ein neues Konzil einberufen werden müsste. Die heutige Welt, in der wir leben, ist eine andere geworden, die auf neue Antworten und neue Wegzeichen sucht.
"Lumen gentium" sei immer noch ein guter Wegweiser, dessen Aussagen sich heute überlebt haben.
2017 -- Gedenken der Reformation vor 500 Jahren - sei ein guter Termin ein neues (drittes vatikanisches) Konzil einzuberufen.

pro konzil schreibt:

50 Jahre nach dem Beginn des II. Vatikanischen Konzils (1962-1965)

Fünfzig Jahre nach dem II. Vatikanischen Konzil ist es Zeit, aus kirchlicher Erstarrung zu erwachen.  Wir werden nicht mehr auf Klerus und Hierarchie warten, sondern machen uns vielmehr selbst auf den Weg. Wir wollen unserer eigenen gesellschaftlichen Verantwortung in der Welt gerecht werden, dafür die Enteignung des kirchlichen Erbes rückgängig machen und uns die Kirche im Dienst dieser Aufgabe wieder aneignen. Wir laden zu einem ersten großen Treffen im Oktober 2012 ein, sodass sich Menschen versammeln können, die das immer noch uneingelöste Versprechen der Pastoralkonstitution „Über die Kirche in der Welt von heute“ selbst in die Hand nehmen, nach Wegen suchen und nach anderen Menschen, die mit ihnen gehen. Im Lichte dieser Pastoralkonstitution sind die anderen Konzilsthemen und -texte neu zu lesen. Und wir müssen wir uns mit dringenden Themen, wie z. B. Migration, Globalisierung oder sexuelle Gewalt, beschäftigen, die beim II. Vatikanum ausgeblendet oder erst danach virulent wurden.

Siehe auch medienportal: 50 Jahre 2. Vatikanisches Konzil

 
 Foto: Papst Johannes XXIII  (* 25. November 1881 in Sotto il Monte; † 3. Juni 1963) Angelo Giuseppe Roncalli wurde am 28. Oktober 1958 zum Papst Johannes XXIII  gewählt. Er wird auch der „Konzilspapst“ oder wegen seiner Bescheidenheit und Volksnähe im Volksmund "Il Papa buono", „der gute Papst“, genannt. Es war mehr als nur eine Überraschung - fast schon eine Sensation: Am 25. Januar 1959 kündigte Papst Johannes XXIII. ein neues Konzil an, das als "Zweites Vatikanisches Konzil" (1962 - 1965) in die Geschichte eingehen sollte. Ein Weckruf für die katholische Welt - und das von einem damals schon 77-Jährigen, der eigentlich als "harmloser Kompromisskandidat und Papst des Übergangs" galt.

Lange über die Ökumene nachgedacht
Gegenüber dem französischen Philosophen Jean Guitton, den der Papst als ersten Laienbeobachter zum Konzil einlud, bekannte er sich dazu, schon sehr lange, seit Leo XIII. 1902 von den getrennten Brüdern sprach, über die Ökumene nachgedacht zu haben. Das Konzil sollte das „[->] Aggiornamento“ (bedeutet: Anpassung an heutige Verhältnisse)  der katholischen Kirche im 20. Jahrhundert einleiten und versinnbildlichen. Historische Verdienste erwarb er sich um die Überwindung der Kubakrise, als er mittels eines Briefes zwischen dem katholischen John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow vermittelte, und durch zahlreiche Friedensinitiativen, zum Beispiel durch seine Enzyklika Pacem in terris.

Bußgebet
Kurz vor seinem Tod formulierte Johannes XXIII. ein Bußgebet, das um Sinnesänderung der Christen in ihrem Verhältnis zu den Juden bittet. Eine Gedenktafel mit diesem Bußgebetzitat ist vor der Wernerkapelle, ein rheinromantisches Wahrzeichen der Stadt Bacharach am Rhein, angebracht:

„Wir erkennen heute, dass viele Jahrhunderte der Blindheit unsere Augen verhüllt haben, so dass wir die Schönheit Deines auserwählten Volkes nicht mehr sehen und in seinem Gesicht nicht mehr die Züge unseres erstgeborenen Bruders wiedererkennen. Wir erkennen, dass ein Kainsmal auf unserer Stirn steht. Im Laufe der Jahrhunderte hat unser Bruder Abel in dem Blute gelegen, das wir vergossen, und er hat Tränen geweint, die wir verursacht haben, weil wir Deine Liebe vergaßen. Vergib uns den Fluch, den wir zu unrecht an den Namen der Juden hefteten. Vergib uns, dass wir Dich in ihrem Fleische zum zweitenmal ans Kreuz schlugen. Denn wir wussten nicht, was wir taten.“

Den Abschluss des 2. Vatikanischen Konzils erlebte Johannes XXIII. nicht mehr, denn am 3. Juni 1963 erlag er einem Krebsleiden. Er starb um 19:50 Uhr im apostolischen Palast. Sein von ihm stark favorisierter Nachfolger, der von ihm zum Kardinal erhobene Erzbischof Montini, Paul VI., führte das Konzil 1965 zu Ende. Dieser eröffnete 1970 den Seligsprechungsprozess für seinen Vorgänger. Von Papst Johannes Paul II. wurde Johannes XXIII. im Jahr 2000 am 3. September zusammen mit dem Konzilspapst des 1. Vatikanums (1869/70) Pius IX. seliggesprochen. Sein mumifizierter Leichnam ruht seitdem in einem gläsernen Sarg im Petersdom unter dem Altar des Heiligen Hieronymus. In dem frei gewordenen Grab wurde am 8. April 2005 Johannes Paul II. beigesetzt.

   [->] Die Rede von Papst Johannes XXIII. zur Eröffnung des 2. Vatikanischen Konzils am 11. Oktober 1962

Unzählige Anekdoten
Von Johannes XXIII. existieren unzählige Anekdoten, die seine humorvolle und zugleich bodenständige Art schildern, die aus ihm einen echten „Volkspapst“ machten.
Zu Lehrdefinitionen hatte er eine eher distanzierte Einstellung. Kurz nach seiner Wahl antwortete er auf eine diesbezügliche Frage: Ich bin zwar jetzt unfehlbar, gedenke aber nicht, davon Gebrauch zu machen.“