
Anna Seghers (* 19. November 1900 in Mainz; † 1. Juni 1983 in Berlin; bürgerlich Netty Radványi, gebürtig Reiling) war deutsche Schriftstellerin jüdischer Abstammung.
1975 wurden ihr der Kulturpreis des Weltfriedensrates verliehen.
Das Leben der Schriftstellerin Anna Seghers
"Anna Seghers: Deutsche, Jüdin, Kommunistin, Schriftstellerin, Frau, Mutter. Jedem dieser Worte denke man nach. So viele einander widersprechende, scheinbar einander ausschließende Identitäten, so viele tiefe, schmerzliche Bindungen, so viele Angriffsflächen, so viele Herausforderungen und Bewährungszwänge, so viele Möglichkeiten, verletzt zu werden, ausgesetzt zu sein, bedroht bis zur Todesgefahr." Dies schrieb Christa Wolf über die große deutsche Erzählerin des 20. Jahrhunderts.
Am 19. November 1900 in Mainz geboren, kam sie 1925 als jungverheiratete und frisch promovierte Frau mit dem bürgerlichen Namen Netty Radvanyi, geb. Reiling, nach Berlin. Hier wurden ihre beiden Kinder Peter und Ruth geboren, hier erlebte sie ihren Durchbruch als Schriftstellerin mit den bedeutenden Erzählungen "Grubetsch" und "Aufstand der Fischer von St. Barbara", für die sie 1928 mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet wurde. 1933 musste sie vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten aus der Heimat fliehen. Auf dem Opernplatz waren im Mai 1933 auch ihre Bücher verbrannt worden. Das Exil in Paris, die gefährlich-abenteuerliche Flucht aus Marseille im Frühjahr 1941 und sechs weitere Jahre als Emigrantin in Mexiko bestimmten die entscheidende Phase ihres schriftstellerischen Schaffens, in der so berühmte Werke entstanden wie die Romane "Das siebte Kreuz" (1942 in Boston in englischer Übersetzung erschienen und zum Bestseller geworden, in Hollywood verfilmt), "Transit" oderdie autobiografische Erzählung "Der Ausflug der toten Mädchen".
Eine ihrer ersten Veröffentlichungen, die Erzählung Grubetsch, erschien 1927 unter dem Künstlernamen Seghers (ohne Vornamen), worauf Kritiker einen Mann als Autor vermuteten. Das Pseudonym Seghers entlieh sie dem von ihr geschätzten niederländischen Radierer und Maler Hercules Seghers (der Name wurde auch Segers geschrieben).
Mit der Rückkehr nach Deutschland im Frühjahr 1947 engagierte sich Anna Seghers im Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands, im Schriftstellerverband der DDR, dessen Präsidentin sie von 1952 bis 1978 war, sowie in der 1950 neugegründeten Deutschen Akademie der Künste. Eines der zentralen Felder ihres internationalen Engagements war die Weltfriedensbewegung. So gehörte sie 1950 zu den Initiatoren des Stockholmer Appells zur Ächtung der Atombombe. Der neue gesellschaftliche Entwurf, den die DDR versprach, schien ihr die Erfüllung ihrer Jugendideale und der Hoffnungen auf mehr Gerechtigkeit für alle Menschen. Dogmatische Enge war ihre Sache nicht. Immer bemühte sie sich um Vielfalt in ästhetisch-künstlerischen Auffassungen; so setzte sie sich dafür ein, dass Mitte der 60er Jahre das Werk Franz Kafkas in der DDR erscheinen konnte.
Anna Seghers hinterließ ihren künstlerischen Nachlass der Akademie der Künste, wo er heute im Anna-Seghers-Archiv fachgerecht betreut wird. Begraben liegt sie, die Ehrenbürgerin von Berlin, neben ihrem Mann auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte, unweit der Gräber ihrer Freunde Helene Weigel und Bertolt Brecht.
Quellen: adk.de/ (Akademie der Künste), wikipedika
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