Foto: FKarrenbrock via pixelio.de
Vor dem Besuch von Papst Benedikt XVI. am 22. September in Berlin lädt die evangelische St.Thomas-Kirchengemeinde in Kreuzberg zu einem katholischen Abendmahlsgottesdienst mit Priestern ein. Zu der Feier am Vorabend des Besuchs seien anders als sonst bei katholischen Messen Christen aller Konfessionen zum Abendmahl eingeladen, teilte die Gemeinde am Freitag in Berlin mit.
Heute Abend in Berlin: Provokanter Gottesdienst - Ein Abendmahl für alle (taz)
Ein katholisches homosexuelles Priesterpaar feiert heute Abend das Abendmahl in einer evangelischen Kirche. Das Erzbistum Berlin droht mit Konsequenzen. Widerstand kommt deshalb vom Erzbistum Köln, wo die beiden Priester leben, sowie vom Erzbistum Berlin. In einem Brief von Ende August spricht Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, von einer "schweren Sünde gegen Christus selbst", wenn Schmidt und Reicherts heilige Messen feierten. Auch Berlins Erzbischof Rainer Maria Woelki wandte sich vor einer Woche an die Priester. Er droht mit rechtlichen Konsequenzen, sollten die beiden heute Abend den Gottesdienst abhalten.
Der ökumenische Geist
"Wir glauben, dass wir in der ökumenischen Diskussion leben müssen", sagte der katholische Priester Christoph Schmidt, der zusammen mit seinem Lebenspartner Priester Norbert Reicherts den Gottesdienst leiten wird. Zur Feier seien deshalb alle eingeladen, "auch die Amtsträger der katholischen Kirche".
Die beiden katholischen Geistlichen haben nach eigenen Angaben ihr Amtspriestertum 1998 aufgegeben, verstehen sich aber weiterhin als Priester. Die evangelische Kirchengemeinde tritt als Gastgeber für die katholische Abendmahlsfeier auf.
Auf der Webseite von Norbert Reicherts "Lichtblicke der Seele" sind
weitere Informationen und Termine zu erfahren:
Termin: 21.September 2011 um 19.00 Uhr
Ort: St. Thomas-Kirche am Mariannenplatz, Bethaniendamm 23-27,
10997 Berlin-Kreuzberg
Der Mensch ist von Gott eingeladen, ihn in jedem Moment seines Lebens zu empfangen. Ausdrücklich feiern wir das in der Liturgie der Eucharistie.
Wir laden jede und jeden ein, der sich eingeladen fühlt: Weil Gott einlädt!
Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, spricht von Geschiedenen und Homosexuellen als „gescheiterten und zerbrochenen Menschen“. Er bewertet sie und ihr Leben wie ein Richter.
Die römisch-katholische Kirche schließt homosexuell Liebende, geschiedene Wieder-verheiratete, Christen anderer Konfessionen von der Kommunion der Eucharistie aus.
In jeder Messe wiederholt die Kirche die Kränkung dieser Menschen, die in dieser gefeierten Form durch Gott geschieht, weil er sie nicht zu seiner Kommunion zulässt.
Dies ist Menschen- und nicht Gottes Gesetz. Wer dieses Gottesbild für sich übernimmt, wiederholt immer wieder die Kränkung seiner selbst.
Es gibt viele aufrechte Menschen, die stolz sind auf ihre Identität. Unser Gott der Liebe begleitet sie.
Wir begleiten viele Menschen seelsorglich, weil sie an sich selber zweifeln und sich wie zerbrochen und gescheitert fühlen. Sie brauchen Aufrichtung durch Menschen und durch die Feier der Einladung Gottes, mit seiner Gnade sie selbst zu sein: Eucharistie.
Unter „Vom Leben und von Gott erzählen“ finden Sie einen spirituellen Impuls zur Eucharistie.
22. September 2011 Ökumene auf dem Weg – wer bestimmt die Richtung?
Ökumenischer Respekt auf Augenhöhe?!
Gesprächsforum christlicher Kirchen
Termin: 22.September 2011 um 20.00 Uhr
Ort: St. Thomas-Kirche am Mariannenplatz, Bethaniendamm 23-27,
10997 Berlin-Kreuzberg
Teilnehmer: Dr. Christof Theilemann, Landespfarrer für Ökumene der Evangelischen Kirche
Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz EKBO
Dr. Bertold Höcker, Superintendent Berlin-Stadtmitte EKBO (angefragt)
Christian Herwartz SJ, Jesuitenpater Berlin
Christian Wulff, Bundespräsident (angefragt)
Prof. em. Otto Hermann Pesch, Prof. für Systematische Theologie (angefragt)
Prof. em. Peter Hünermann, Prof. für Dogmatik (angefragt)
Claudia Mieth, Pfarrerin der St. Thomasgemeinde Berlin
Christoph Schmidt und Norbert Reicherts, Lichtblicke der Seele, Köln
Die EucharistieFeier mit Einladung aller Christen zur Kommunion setzt einen neuen Akzent im ökumenischen Dialog.
Wir stellen fest: Es sind alle Christen eingeladen, die sich eingeladen fühlen, weil Gott alle einlädt: Menschen aller Konfessionen, Menschen, die in Liebe und Verantwortung homosexuelle Lebensformen wählen, Menschen, die wiederverheiratet leben. Als geschiedener wiederverheirateter Katholik ist auch Bundespräsident Christian Wulff zur Eucharistie und zum Gesprächsforum eingeladen.
Wir glauben, dass der Aufschub der gemeinsamen AbendmahlsEucharistie der bisher getrennten Konfessionen auf den Tag nach der Kircheneinigung eine Illusion ist. Die immer wieder gefeierte Ausladung zementiert ein Gottesbild, das uns immer weiter voneinander entfernen lässt und der Erfahrung der göttlichen Einladung in jedem Moment des Lebens widerspricht.
Der Mensch ist von Gott eingeladen, ihn in jedem Moment seines Lebens zu empfangen.
Das Gesprächsforum diskutiert den Weg der Ökumene mit den unterschiedlichen katholischen und evangelischen Positionen.
* * *
Am Rande des 1. Ökumenischen Kirchentags 2003 in Berlin feierte der katholische Theologe Prof. Gotthold Hasenhüttl in der evangelischen Gethsemanekirche einen ökumenischen Gottesdienst mit Eucharistiefeier nach katholischem Ritus, bei dem auch evangelische Christinnen und Christen zur Kommunion eingeladen wurden. Dass der damalige Trierer Bischof Dr. Reinhard Marx nach der bereits im Sommer 2003 ausgesprochenen Suspendierung vom Priesteramt Prof. Dr. Dr. Gotthold Hasenhüttl im Januar 2006 auch die kirchliche Lehrerlaubnis (Nihil obstat) entzogen hat, war eine weit überzogene und nicht nachvollziehbare Disziplinierungsmaßnahme. Denn selbst die Eucharistie-Enzyklika vom 17. April 2003 sieht zumindest Ausnahmen für nichtkatholische Gläubige vor.
Als besonders ungerecht empfunden wurden die gegenüber Hasenhüttl verhängten Kirchenstrafen, nachdem der damalige Kardinaldekan Joseph Ratzinger beim Requiem für Papst Johannes Paul II. vor den Augen der Weltöffentlichkeit dem evangelischen Prior von Taizé, Roger Schutz, die Kommunion reichte. Auch beim Requiem für Roger Schutz, das Kardinal Walter Kasper hielt, kommunizierten nichtkatholische Christen und Christinnen.
Als Grund der Suspendierung Hasenhüttls wurde im Dekret ausdrücklich nur das Verhalten beim 1. Ökumenischen Kirchentag angegeben. Andere Gründe mögen jedoch entscheidend mitgespielt haben. Sicher auch Hasenhüttls Gottesverständnis, wonach Gott als Ereignis der Liebe im zwischenmenschlichen Kontext zu verstehen ist. In einem Paradigmenwechsel fordert er weniger Juridisches und mehr Charismatisches. Nach seiner Aussage hat „Jesus selbst keine Kirche gegründet. Er hat ihr daher a fortiori keine institutionelle Struktur gegeben; ein hierarchisches Prinzip hat mit dem Wesen der Kirche nichts zu tun.“
Die Zukunft der kritischen Theologie sieht der emeritierte Theologe in Gefahr: „Den einen ist die Kirche heute egal, und die anderen wollen Katechismen, klare Linien, an die sie sich halten können. Der kritische Theologe kann ja nur an den Glaubensverstand der Menschen appellieren, und das ist schwer.“ so Hasenhüttl 2006 in einem Interview. „Manchmal denke ich, dass die kritische Theologie, die mein ganzes Leben geprägt hat, viel weniger bewirkt hat als diese eine Messe, die ich beim Ökumenischen Kirchentag gefeiert habe. ... Es war neben meiner Primiz der wichtigste Gottesdienst meines Lebens.“
Quellen: epd / jesus.de / CiD
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