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Zerrissenheiten
Max Scheler wurde am 22. August 1874 in München als Sohn einer streng orthodoxen jüdischen Mutter und eines wohlhabenden Gutsverwalters geboren, der für die Ehe widerwillig zum jüdischen Glauben übergetreten war. Diese Dissonanzen im Elternhaus haben Max Scheler früh geprägt. Teilweise bedingen sie die tiefe innere Zerrissenheit des ständig und wie besessen Suchenden, der eine irritierende Wandlungsfähigkeit zeigte.
Hin zum Katholizismus und wieder weg von ihm
Scheler war 1916 in die Gemeinschaft der katholischen Kirche zurückgekehrt. Er avancierte innerhalb kürzester Zeit zum fruchtbarsten Denker des deutschen Katholizismus, der durch ihn Anschluss an die zeitgenössischen philosophischen Debatten fand. Seine nach 1922 vollzogene Abkehr von der katholischen Glaubenslehre wurde als wankelmütig gebrandmarkt und mit Schelers zweiter Ehescheidung vermengt.
Er selbst lieferte philosophische Gründe dafür, den Glauben an einen von Anfang an allmächtigen Gott aufzugeben. Für Scheler muss Gott in sich Geist und Drang vereinen, doch im Weltprozess ist der Geist dem Drang gegenüber ohnmächtig, und so bleibt nur die Hoffnung auf eine zunehmende Vergeistigung der Welt. Deshalb bedarf ein „werdender Gott“ des Menschen, um sich selbst verwirklichen zu können. In seinem bekanntesten, posthum erschienenen Werk Die Stellung des Menschen im Kosmos beantwortet Scheler die alte Frage „Was ist der Mensch?“.
Seine philosophische Anthropologie, laut Scheler sein primäres und wichtigstes Anliegen, gelangt nach einer Synthese vielfältiger Ergebnisse von Einzelwissenschaften zu dem Fazit, der Mensch sei „der Ort der Gottwerdung“. Zum Panentheisten geworden, für den Gott der Welt innewohnt, starb Scheler am 19. Mai 1928. Zuvor hatte er die Vision eines kommenden „Weltalters des Ausgleichs“ verkündet, in dem alle Gegensätze der Rassen, Klassen, Religionen und Mentalitäten überbrückt sein werden, zugunsten einer weltweiten Kooperation. Diese Perspektive könnte das in den letzten Jahren wieder erwachte Interesse an Max Scheler beflügeln.
Heidegger sagte über Scheler , er sei "die stärkste philosophische Kraft im heutigen Deutschland, nein, im heutigen Europa und sogar in der gegenwärtigen Philosophie überhaupt."
Die Noologie
Der auf die Schulmetaphysik des 17. Jahrhunderts zurückgehende Begriff Noologie (von griech. noein = denken) lässt sich am besten als Form der Geisteslehre bezeichnen. Er wurde auch von Atlas Crusius und dem schottischen Philosophen Thomas Reid verwendet. In späterer Zeit spielte er im Werk des deutschen Philosophen Rudolf Christoph Eucken eine Rolle. Eucken nannte seine Philosophie Noologie, da sie sich seiner Meinung nach auf den "Welt und Seele umspannenden Geist" beziehe. Die noologische Methode ermöglicht seiner Meinung nach ein "Aufsteigen der Wirklichkeit" zu einer "inneren Einheit und zu voller Selbstständigkeit". Eine Loslösung des wissenschaftlichen Denkens von den übrigen Kulturprozessen soll so, nach Max Scheler, verhindert werden. Die noologische Methode wird der psychologischen Methode entgegengesetzt, die nur vom menschlichen Bewusstsein ausgeht.
Der Begriff wurde zusätzlich auch als Gliederungsprinzip für philosophische, politische sowie ethnologische Bereiche angewandt.
Eine insbesondere bei Augustinus zu findende Argumentation wird ferner gelegentlich "Noologischer Gottesbeweis" genannt. Er verfährt, vereinfacht rekonstruiert, nach folgendem Schema: Ich erkenne Wahrheiten. Diese Wahrheiten weisen bestimmte Vollkommenheiten auf: Notwendigkeit, Ewigkeit (usw.). Das Zukommen von Vollkommenheiten ist nicht erklärbar durch Instanzen, welche diese nicht oder in geringerem Maße besitzen. Es muss etwas geben, was mein Erkennen ewiger Wahrheiten erklärt und selbst in höchstem Maße ewig (usw.) ist. Dieses gibt es, es ist die Wahrheit selbst, und diese ist Gott.
Quellen: wikipedia, Goethe-Institut e. V. (Jochen Köhler),
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