Zum Karfreitag 

Unterm Kreuz

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Kreuzigung

Hartnäckig hält sich das Gerücht, Karfreitag sei der höchste evangelische Feiertag. Eine Einschätzung, die aus Zeiten konfessioneller Abgrenzung stammt, aber liturgisch nicht zu halten ist. Für die Christenheit ist die Auferstehung und damit das Osterfest das zentrale Ereignis, allerdings sind Karfreitag und Ostern in einem unauflöslichen Spannungsverhältnis miteinander verbunden.

Gerade im Hinblick auf das zentrale Symbol des Kreuzes kann man sehen, wie sich lebendiger Glaube wandelt. Während die Evangelien schlicht Berichte des Leidens Jesu sind und nichts von einem Sühnecharakter des Opfertods erkennen lassen, wird doch gerade diese Deutung lange Zeit vorherrschend:

Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, erbarm dich unser.
Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, erbarm dich unser.
Christe, du Lamm Gottes, der du trägst die Sünd der Welt, gib uns deinen Frieden.


Diese kleine Vers des "Agnus Dei" umfasst ein ganzes mythologisches Drama:
Die Menschheit, die durch ihre Schuldhaftigkeit dem Tod verfallen ist, wird den vor dem tödlichen Zorn Gottes gerettet durch das Selbstopfer der schuldlosen Gottessohnes.



Max Spring (Schweiz) - Hammer und Nagel

Wer sich auf diesen Mythos einlässt, erkennt sich als Mensch in eine realistische Spannung gestellt: Einerseits wird er mit der ernsten Problematik menschlicher Schuld konfrontiert, andererseits erfährt er von der Gnade Gottes, der bereit ist sich selbst aufzugeben, um das weitere Leben zu ermöglichen.

Der Gedanke des Sühneopfers wurde zunehmend problematisch, als die Religion im Ausgang des Mittelalter zur individuellen Sache werden begann. Jetzt war es nicht mehr das Menschheitskollektiv, das in Adam seine Schuldverstricktheit und in Christus einen Ausweg in ein befreites Leben erkannte; jetzt war es das einzelne Subjekt, das mit seinem vergleichsweise banalen Sünden die kosmische Katastrophe des Todes Christi zu verantworten hatte. Was als Befreiung gedacht war, wurde nun zur Belastung: Das Christentum bekam einen bedrückenden Zug.

Im Laufe des letzten Jahrhundert haben sich neue Deutungsmöglichkeiten des Kreuzes und damit des Karfreitags aufgetan. Man kann heute den Blick auf das Kreuz als eine Art Seelenspiegel verstehen:


Unterm Kreuz
    

Unterm Kreuz

       

Ich kann im Bild des leidenden Jesus einen Ausdruck meines persönlichen Leidens finden, d.h. mich selbst in Christus gespiegelt finden.

Ich kann in der Passionsgeschichte auch einen Ausdruck meiner persönlichen Schuld erkennen, indem ich mich mit den Randfiguren identifiziere; Leid und Verstrickung in Schuld hängen zusammen.

Ich kann im freiwillig leidenden Christus, wenn ich ihn als Bild des wahren Lebens akzeptiere, einen Ausweg aus der Leid- und Schuldverstrickung entdecken. Denn ich finde nicht nur mein Leid, meine Schuld in der Passionsgeschichte ausgedrückt, sondern kann - das ist die andere Seite des Spiegels - Christus auch als mein verborgenes Selbst entdecken: Das göttliche Leben in mir, das immer wieder aufersteht, wenn es bereit ist, sich hinzugeben.


„Auch im Leiden ist Gott uns nah“

Karfreitagspredigt von Präses Nikolaus Schneider

"Zu allen Zeiten haben die Menschen sich schwer getan, die Kreuzigung Jesu zu verstehen, erklärte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, in seiner Karfreitagspredigt im Willibrordi-Dom zu Wesel (Nordrhein-Westfalen).

Lesen Sie hier die [->]  Predigt zum heutigen Karfreitag.

Es gilt das gesprochene Wort.

 

Die Evangelische Kirche im Rheinland "EKiR" schreibt
"Zum Verständnis des Kreuzestodes Jesu":

Wie ist Jesu Kreuzestod zu verstehen?
Wie lässt sich verstehen und vermitteln, dass aus dem Foltertod Jesu Heil für die Menschen erwächst?
Antworten auf diese Fragen sucht die Broschüre
"Aus Leidenschaft für uns" der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Lesen Sie hier die evangelische Position zur [->] Kreuzestheologie


Quellen: Grafik und Text via Kloster Lippoldsberg, EKiR,CiD