"Die Ökumene ist eine Existenzfrage der Kirche"Kurt Koch über seine neue Aufgabe als Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen
Erzbischof Kurt Koch, 60, der neue Präsident des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen. (Foto: Adrian Baer / NZZ) | Kurt Koch, bis Ende Juni Bischof von Basel, ist der neue Präsident des Päpstlichen Ökumene-Rats. Er nimmt in einem Interview Stellung zur Frage, was "Einheit der Christen" meint und wie er seine schwierige Aufgabe anpacken will. Kurt Koch ist der Nachfolger von Walter Kardinal Kasper. |
Das Interview mit Erzbischof Kurt Koch zu Fragen der Ökumene in der katholischen Kirche führte die Neue Zürcher Zeitung (NZZ). Zum Interview * * * CiD stellte am 1. Februar 2007 das neue Buch von Kurt Koch vor:
"DASS ALLE EINS SEIEN Ökumenische Perspektiven"  Kurt Koch ist 1950 geboren. Er ist Professor für Dogmatik, Ethik Liturgiewissenschaft und Ökumenische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern. Als Ökumenebeauftragter der Schweizer Bischofskonferenz nimmt er eine ehrliche und aktuelle Standortbestimmung der Ökumene vor. Kenntnisreich beleuchtet er dabei die vieldiskutierten ökumenischen "Stolpersteine". Bischof Koch findet sich mit der Trennung der Christenheit nicht ab, sondern plädiert für die Wiederentdeckung einer besonderen ökumenischen Spiritualität als Brücke zur Einheit.
Eine wichtige Wortmeldung für alle, denen die Einheit der Christen am Herzen liegt. Bischof Kurt Koch: DASS ALLE EINS SEIEN ISBN 978-3936484-76-2
CiD/EV Koch leitet das erste Kapitel wie folgt ein: "Die in der katholischen Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil wirksame Ökumenische Bewegung ist vielleicht am adäquatesten mit einer Reise im Flugzeug zu vergleichen. Nach längeren und intensiven Vorbereitungen beginnt eine solche mit einem rasanten Start in die Luft. Sobald die Flughöhe erreicht ist und das Flugzeug in der Luft fliegt, kann man leicht den Eindruck gewinnen, es bewege sich nichts mehr oder man komme zumindest nur langsam voran. Dennoch dürfte jeder Passagier von der gewissen Hoffnung getragen sein, dass das Flugzeug seinen Zielflughafen sicher erreichen wird. Im Blick auf die Ökumenische Bewegung in der katholischen Kirche war das zweite Vatikanische Konzil der rasante Start auf der Piste. Nach vierzig Jahren bewegen wir uns auch heute noch immer gleichsam in der Luft, wie es jedenfalls scheinen kann. Trotzdem bleibt die berechtigte Hoffnung, dass auch das ökumenische Flugzeug sicher landen wird.
Stillstand am Himmel Koch verwendet hier ein interessantes Bild um den "scheinbaren Stillstand" in der Ökumene innerhalb der RKK zu erklären, der aber keiner sei, weil die subjektiv überprüfbaren Relationen aus der Höhensicht fehlten. Dennoch erinnert dieser bemühte Vergleich an Klimmzüge die "Nacktheit des Kaisers" verbergen zu wollen. Seit des fundamentalistischen Rucks, der sich in der RKK - besonders durch den konservativen Flügel der Piusbruderschaft abzeichnet - sowie die neuverfasste Schärfung des Kirchenrechts, wovon auch die gemeinsame Eucharistie-Feier betroffen ist, erkennt man erhebliche Rückschritte für die Ökumene. Interne Kritiker und Beobachter der Katholischen Kirche sprechen von einem "theologischen Rückfall, weit vor das Zweite Vatikanische Konzil", in dem der Ökumenismusdekret verabschiedet wurde. Das zweite vatikanische Konzil wurde von Papst Roncalli XXIII einberufen. [CiD berichtete] Kurt Koch schreibt "Im Blick auf die Ökumenische Bewegung in der katholischen Kirche war das zweite Vatikanische Konzil der rasante Start auf der Piste. Nach vierzig Jahren bewegen wir uns auch heute noch immer gleichsam in der Luft...".. Es scheint dennoch, als habe die RKK ihren Zielflughafen gefunden. Dieser liegt jallerdings jenseits des Zentrums der ökumenischen Bewegung. Und wenn Koch zur Erkenntnis kommt, dass "die Ökumene eine Existenzfrage der Kirche" sei, dann ist das sicher richtig, und dennoch ist jetzt schon leider klar, dass er diesbezüglich keine weiteren Erfolge erzielen kann, als seinerzeit Walter Kardinal Kasper. Kurt Koch argumentiert ebenso wie Kasper: "Letztlich sind nicht wir es, welche die Einheit „machen“ oder organisieren; die Einheit ist eine Gabe und ein Geschenk des Hl. Geistes." Dieser Satz wirkt auf viele Ökumeniker wie ein Alibi für die Kirche. Sie muss nichts machen, wenn es der Heilige Geist nicht "bringt".
Die Ökumene kommt nicht durch Institutionen! Koch: "Kann ein Protestant beten: Lieber Gott, verhindere, dass die Katholiken sich so organisieren, wie es ihrem Bedürfnis entspricht? So darf man nicht beten, ohne gotteslästerlich zu werden, demnach darf man auch nicht dagegen kämpfen. Wenn wir - die ökumenisch orienteren Christen - uns ernster nehmen würden, wie wir füreinander beten, könnten wir weiter vorankommen. Die Ebene der Spiritualität, der Doxologie, des Gebets, führt uns mehr zusammen als einzig und allein die theologische Ebene." Siehe CiD-Artikel:
- Rettet das Konzil
- "Ich bin zwar jetzt unfehlbar, gedenke aber nicht, davon Gebrauch zu machen"
Johannes XXIII - il Papa buono - der gute Papst
|