Ecclesia reformata semper reformanda
| Am 10. Juli 2010 jährt sich zum 501. Mal der Geburtstag Johannes Calvins. Der Genfer Reformator gilt als ein "Gründungsvater" des reformierten Protestantismus. Calvin hat sich dagegen gewehrt, dass die durch ihn geprägte Reformation in Deutschland als "Calvinismus" bezeichnet wurde. Die auf Zwingli, Bullinger und Calvin zurückgehenden Kirchen in Europa nennen sich deshalb nicht "calvinistisch", sondern "reformiert". Diese Selbstbezeichnung erinnert daran, dass eine reformatorische Kirche im Hören auf Gottes Wort der fortwährenden Erneuerung bedarf: Ecclesia reformata semper reformanda. |  |
Zum Gedenken an Johannes Calvin
Am 10.Juli 1509 wurde Johannes Calvin in Noyon, einem Ort nordöstlich von Paris, unter seinem eigentlichen Namen Jean Cauvin als Sohn des bischöflichen Sekretärs und Rechnungsführers der Grafschaft Gerard Cauvin geboren. Er starb nach schwerer Krankheit und langem Kampf am 27.5.1564 in Genf in der Schweiz. – Calvin studierte ab 1524 am Collège de Montaingu in Paris, wo auch schon Erasmus von Rotterdam ausgebildet worden war, wo er drei Jahre später zum Magister promovierte. Ab 1528 studierte er in Orleans und Bourges Rechtswissenschaften. 1533 erregte eine von Calvin mitverfasste Rede großes Aufsehen, in der er zu Reformen in der Kirche aufrief, worauf Calvin fliehen und sich an verschiedenen Orten in Sicherheit bringen musste. Es ist nicht genau bekannt, wann und wie Calvin zu reformatorischer Erkenntnis durchbrach. Wahrscheinlich erlebte er erst im Winter 1533/34 die entscheidende Wendung seines inneren Lebens, durch die der humanistische Reformer Calvin zum Reformator wurde, den letzten Durchbruch einer längeren Entwicklung, die bewusste Hinwendung zum evangelischen Glauben. Calvin selbst erwähnt dieses wichtige Ereignis seines Lebens in seinen Schriften nur an zwei Stellen. In der Vorrede zu seinem Psalmenkommentar von 1557 sagt er: „Ich war dem Aberglauben des Papsttums so hartnäckig zugetan, dass es nicht leicht war, mich aus diesem tiefen Abgrund herauszureißen. Gott aber hat mein Herz, das für sein Alter schon recht verstockt war, durch eine plötzliche Bekehrung gefügig gemacht.“ „Durch die Neuheit abgestoßen, lieh ich (jenen Lehren) nur ungern mein Ohr; mit leidenschaftlichem Eifer widerstand ich ihnen; vor allem eins machte meinen Sinn abgeneigt: die Ehrfurcht vor der Kirche.“ „Wie durch einen plötzlichen Lichtstrahl erkannte ich, in welchem Abgrund von Irrtümern, in welchem Schmutz ich mich befunden hatte. So tat ich, o Herr, was meine Pflicht war, und begab mich, erschreckt und mit Tränen mein früheres Leben verdammend, auf deinen Weg.“
Den offiziellen Bruch mit der römischen Kirche vollzog Calvin im Frühjahr 1534, als er seine Vaterstadt aufsuchte, um dort am 4.5. auf seine Pfründen zu verzichten. 1536 kam er nach Genf, wo er eine protestantische Gemeinde aufbaute, bevor er zwei Jahre später der Stadt verwiesen wurde. Er ging nach Basel und Straßburg, wo er auch Melanchton kennenlernte. Im September 1541 kehrte er nach Genf zurück, nachdem dort der anti Calvin -istische Rat gestürzt worden war. Im November des gleichen Jahres nahm der Rat der Stadt Genf die von Calvin erarbeitete Kirchenordnung an, wenngleich die strenge Kirchenzucht später insbesondere aus Adelskreisen nicht ganz unwidersprochen blieb. Calvin stützte seine Theologie auf den Prinzipen der Reformation: allein die Schrift als Maßstab, allein der Glaube als Grund der Rechtfertigung und nicht irgendwelche guten Werke, allein Christus vermittelt das Heil. Das Heil des Menschen hängt allein von Gottes Gnade ab. Wie Martin Luther stand er in der Tradition von Paulus und Augustinus mit der Betonung der Gnadenbedürftigkeit des Menschen; anders als Luther bestritt er aber nicht die Möglichkeiten menschlicher Vernunft. Auf dem Hintergrund seiner schweren Erfahrungen als Flüchtling besteht für Calvin Gottes Größe in der Gewissheit seines fürsorglichen Geleits. 1542 erschien Calvin´s Psalter, ein Liturgiebuch über die Formen des Betens und Singens, die Sakramente und die Trauung, 1545 der überarbeitete Genfer Katechismus mit 373 Fragen und Antworten. Calvin hielt neben seiner Lehr- und Autorentätigkeit jährlich rund 200 Predigten und ebenso viele Bibelstunden; 2000 Predigten wurden ab 1549 mitgeschrieben; sein exegetisches Werk besteht aus über 30 Bänden. Die Errichtung eines Grabsteines hatte er sich verbeten, weil er jeden Kult um seine Person vermeiden wollte. Die von Calvin 1559 gegründete Genfer Akademie galt als Rom der Revolution; aus ihr wurde 1873 die Genfer Universität.
Quellen: bautz.de heiligenlexikon.de
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